VII. Ziel der Schöpfung

VII. Ziel der Schöpfung

Trotz der ererbten Neigung des Menschen zu sündigen hat Gott ein Ziel der Schöpfung und ist entschlossen, es zu verwirklichen. Um eines meiner früheren Bücher zu zitieren: „Das Wort wurde Mensch, ein sichtbares Ebenbild Gottes. Indem er Sein ganzes Wesen in Seine Werke projizierte, brachte Gott den Menschen hervor, um Sein unsichtbares Selbst in Form eines sichtbaren und fassbaren Ebenbildes zu manifestieren. So schuf Gott den Menschen, um Freude zu fühlen“. (aus „Divine Principle and its Application“ S. 11)

Die Erlösungslehre der Vereinigungstheologie entspringt einem Vers in der Genesis. Nachdem Gott Adam und Eva geschaffen hatte, segnete Er sie und sagte: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan, und herrschet“ (l. Mose 1:28)

Wir finden in diesem Text drei Segnungen. Gottes erste Segnung: „Seid fruchtbar“ bedeutet, dass jeder Einzelne Körper und Geist vereinigen sollte, indem er sein Leben auf Gott ausrichtet. Durch die Erfüllung dieser Segnung wird jede Person ihrem Schöpfer ähnlich. So wird der Mensch ein vollkommenes Einzelwesen und ein substantielles Objekt, an dem sich Gott erfreuen kann. In einem Referat, das die östlichorthodoxen Theologen für die Nairobi-Versammlung des Weltkirchenrates vorbereitet hatten, erinnerten sie die Delegierten anderer Denominationen daran, dass das Ziel des Menschen und die Bedeutung der Erlösung in der Doktrin gefunden werden kann, die „Theosis“ genannt wird. Letztendlicher Zweck des Menschen sei es, die Einheit mit Gott zu verwirklichen.

Die zweite Segnung, die Vermehrung, wird erfüllt, wenn ein vervollkommneter Mann und eine vervollkommnete Frau sich vereinigen und Kinder hervorbringen. Für die Vereinigungstheologie ist die Familie die fundamentale Einheit der Gesellschaft. Primäre Aufgabe der Vorsehung ist daher, das Fundament der Familie zu errichten – mit Gott als Mittelpunkt. Diese Grundlage der vier Positionen Gott, Ehemann, Ehefrau und Kinder – spiegelt Gott in vollständiger Weise wider als die individuelle Vollkommenheit und wird somit zum Objekt größerer Freude für Gott. Der Judaismus hat daher von den Zeiten des Alten Testamentes bis heute zu Recht die zentrale Stellung der Familie betont. Wegen Adams Fall war die erste Familie mehr auf Satan als auf Gott zentriert. Wiederherstellung bedeutet daher Neuaufbau des Familienlebens auf der Grundlage der Hingabe an Gott.

Die dritte Segnung bezieht sich auf die Herrschaft des Menschen über die gesamte Schöpfung. Wenn der Mensch das Geben und Nehmen mit der Schöpfung mit Gott als Mittelpunkt aufgenommen hat, gewinnt er die Herrschaft über die Schöpfung als ihr Herr. Da es heutzutage viele Proteste wegen der rücksichtslosen Ausbeutung der natürlichen Welt durch den Menschen gibt, muss betont werden, dass „Herrschaft“ nur bedeuten kann, dass der Mensch alle Dinge mit Gottes Liebe und Macht regiert, so dass alle Dinge dem Menschen gegenüber ihre Schönheit und ihren Dienst entfalten können. Dadurch, dass er seine Liebe und sein schöpferisches Talent an alle Dinge weitergibt, befähigt diese kosmische Grundlage der vier Positionen den Menschen, das Abbild Gottes in einem ausgedehnteren Bereich zu manifestieren und Gott Freude zu bringen. Weil unsere Produktivität auf einer Ich-Du-Beziehung zwischen uns selbst und der Natur aufgebaut ist, freut sich Gott und der Mensch wird glücklich. Darum sollte Arbeit etwas Fröhliches und Heiliges sein „eine heilige Berufung“ wie die Puritaner sagen würden.

Der Gott des Herzens schuf den Menschen so, dass er die Freude des vollkommenen Gebens und Nehmens erfahren kann. Die Schöpfung offenbart die Sehnsucht Gottes, geliebt zu werden. Aber der Mensch hat seinem Schöpfer den Rücken zugekehrt, er hat sich vor Gott versteckt, hat ihn zurückgestoßen und ist aus seiner Anwesenheit geflohen. Können Sie sich vorstellen, was Gott da angetan wurde? Denken Sie an Sein Leid, Seine Traurigkeit, Seine Qual. Der Schöpfer all dessen, was ist, ist zu einem Gott des gebrochenen Herzens geworden, wie Jesus in seinem berühmten Gleichnis lehrte. Gott ist wie der Vater des verlorenen Sohnes. Gott sehnt sich danach, dass Sein geliebtes Kind nach Hause zurückkommt. Tag für Tag wartet Er an der Tür und sucht am fernen Horizont in der Hoffnung, Sein Kind zurückkommen zu sehen. Nacht für Nacht, ein Jahrhundert nach dem anderen ist schmerzende Einsamkeit und Leere im göttlichen Herzen, weil der verlorene Sohn in einem fernen Land ist.

Die Vereinigungstheologie wagt es sogar, eine noch kühnere Analogie vorzuschlagen. Gott ist der Liebende und wir sind geschaffen, seine Geliebten zu sein. Die großen Schriftsteller und Dichter haben immer gesagt, dass es nichts Tieferes und Befriedigenderes gibt als die vollkommene Einheit eines Mannes und einer Frau, die Vertrautheit zweier Ehepartner. Wiederherstellung, Neuschöpfung oder Erlösung bedeutet dann, dass Gott den Menschen umarmt und sich in der heiligen Ehe mit dem Menschen vereinigt. Bevor Gott und der Mensch nicht die höchste Freude von Braut und Bräutigam erfahren, wird die letzte Erfüllung des ehelichen Glückes, wird das Ziel der Schöpfung nicht verwirklicht sein.