Unsere Geschichte

 

Entwicklung der Vereinigungskirche in Österreich

 

Die Vereinigungsbewegung ist ein Verbund von Organisationen, Initiativen und Projekten, die vom koreanischen Visionär und Religionsstifter Rev. Sun Myung Moon (1920-2012) ins Leben gerufen wurden. Die religiöse Kerngemeinschaft der Vereinigungsbewegung ist die Vereinigungskirche, die Rev. Moon am 1. Mai 1954 als Heilig-Geist-Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums in Seoul, Südkorea, formal gründete. Der erste Missionar der Vereinigungskirche in Österreich kam im Jahr 1965 an.

 

Die von Rev. Moon gegründete Gemeinschaft expandierte im Jahr 1958 nach Japan und ein Jahr darauf in die Vereinigten Staaten. Juni 1963 markierte den Beginn der europäischen Vereinigungskirche: der erste Missionar, Rev. Peter Koch (1927–1984), kam in Deutschland an.  Am 18. Mai 1965 begannen die missionarischen Aktivitäten der Vereinigungskirche in Österreich unter der geistigen Leitung von Rev. Paul Werner (1927–2008), einem Sohn eines lutherischen Pfarrers aus Pommern. Paul Werner trat der Gemeinschaft im Sommer 1963 in Sacramento, Kalifornien, gemeinsam mit seiner Familie bei. Sein multifunktionaler VW-Bus bildete das erste „Zentrum“ der Vereinigungskirche in Österreich. Im Winter 1965/66 mietete Werner zwei kleine Räume in einem alten Haus am Donizettiweg im 22. Wiener Gemeindebezirk. Trotz widriger äußerer Umstände und zahlreicher Abweisungen, gewann Werner ab Februar 1966 seine ersten Nachfolger. Bereits im Frühjahr 1966 wurden zwei Wohnungen im vierten und zweiten Wiener Gemeindebezirk als Kommunen der österreichischen Vereinigungskirche eröffnet. Zwischen März 1967 und November 1968 gründete Werner weitere Zentren in Wien. An diesen Orten lehrte er in den ersten Jahren seiner Mission fast täglich und mit großem Enthusiasmus Das Göttliche Prinzip (die zentrale theologische Schrift der Vereinigungslehre), um damit einen „Hafen für den Geist Gottes“ zu schaffen.

 

Im April 1966 wurde die Eintragung des Vereins Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums (GVW) bei der Sicherheitsdirektion in Wien beantragt und am 16. Mai 1966 positiv beschieden. Die GVW erklärte als Zweck des Vereins laut ihren Statuten (§2) die Vereinigung der Menschen unter Gott, und zwar „über die kirchlichen, politischen, nationalen, rassischen und sozialen Schranken hinweg“. Für diese Aufgabe bot die Gemeinschaft „Lehrgänge, Diskussionen, Vorträge, Seminare“ und Literatur an, um die Beschäftigung mit religiösen Fragen anzuregen. Im Mittelpunkt der Tätigkeit der GVW stand die Verbreitung der Lehre des Göttlichen Prinzips, das Menschen inspirieren sollte, „ein auf Gott ausgerichtetes Leben zu führen“.

 

Im September 1966 begann die Mission in Graz, ein Jahr später in Linz. Die aktive österreichische Bewegung schickte bereits 1968 Pioniere in die Nachbarländer Schweiz (Bernhard Maierhofer) und in die damals noch kommunistische Tschechoslowakei (Emilie Steberl). Ab dem Herbst 1968 wurden Vorträge über Das Göttliche Prinzip in Räumlichkeiten der Technischen Universität sowie der Universität für Bodenkultur in Wien gehalten.  Bis zum Jahr 1968 wuchs die Zahl der Mitglieder der Gemeinschaft auf über 30 Personen. Allmählich wurden auch die lokalen Behörden und kirchlichen Autoritäten auf die Missionserfolge der jungen Bewegung aufmerksam.

 

Am 26. März 1969 wurde Werner durch Rev. Moon nach Deutschland berufen und Peter Koch, vormals Leiter der deutschen Kirche, übernahm die Leitung der jungen österreichischen Bewegung. Diese blühte unter der Leitung von Koch und seiner Gattin Gertrud auf und erreichte den Höhepunkt ihrer Aktivitäten zwischen 1970 und den frühen 80er Jahren. 1975 konnte die österreichische Vereinigungskirche bereits über 200 Mitglieder verzeichnen. Ein beträchtlicher Teil der österreichischen Mitglieder wurde Mitte der 1970er Jahr für die Mission nach Deutschland und in die USA sowie im Jahr 1978 nach Großbritannien entsendet.

 

Eines der Schwerpunkte, die von Peter Koch gesetzt wurden, war das Projekt „Mission Butterfly“. Sein Anliegen war es, die Vision Rev. Moons, die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang zu erreichen und ihnen das Wort Gottes zu bringen, umzusetzen. Im Jahr 1980 mobilisierte er 15 Mitglieder, die sich bereit erklärten, in den Untergrund zu gehen, osteuropäische Sprachen zu studieren und als Pioniere auf kommunistischem Boden zu missionieren.

 

Weitere ideelle Initiativen, die von Mitgliedern und Sympathisanten der Vereinigungskirche ehrenamtlich geleitet wurden bzw. werden, umfassen die politisch aktive Studentenbewegung Neue Mitte (1971-1983); der Verlag Edition Neue Mitte (ab 1976-1983); das Projekt Kolibri (1981-1989) zur ideologischen Überwindung des Kommunismus; die Menschenrechtsorganisation Forum Ost (1984-1989); das Forum Österreich (1987-1994) – eine akademische Initiative zur geistigen Erneuerung des Landes und Herausgeber der Zeitschrift LOGOS (1992-1994); den österreichischen Zweig der Professors World Peace Academy (PWPA, 1992-1996) – einem Verein zur Förderung der internationalen Kooperation von Akademikern für den Weltfrieden; sowie die Föderation für Weltfrieden,  die sich seit 1999 der Friedensbildung durch Erziehungsprogramme, Seminare, Konferenzen und Veröffentlichungen widmet.

 

Am 1. August 1996 gründeten Sun Myung Moon und seine Ehefrau Hak Ja Han Moon die Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung (FFWV), die die internationale Heilig-Geist-Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums formal ablöste. In der Folge wurde 1997 der Verein Österreichische Familienföderation für Weltfrieden (ÖFFW) in Wien gegründet, mit Sitz in der Seidengasse 28/4, im 7. Wiener Gemeindebezirk. Das Veranstaltungszentrum Seidengasse wird von Mitgliedern der Vereinigungsbewegung seit mehr als 30 Jahren betrieben und wird u.a. auch für Gottesdienste, interreligiöse Veranstaltungen, Vorträge, Konzerte und einen Kindergarten genützt.

 

Rund 40 Jahre nach ihrer behördlichen Auflösung hat das Kultusamt der österreichischen Bundesregierung am 15. Juni 2015 der Vereinigungskirche in Österreich (VKÖ) die Rechtspersönlichkeit als staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft verliehen. Entsprechend österreichischem Religionsrecht bildet die VKÖ die juristische Person der religiösen Kerngemeinschaft der Vereinigungsbewegung, während die Mitgliedschaft beim Verein ÖFFW auch weiterhin keine konfessionelle Exklusivität beansprucht. Somit bleibt die ÖFFW offen für Personen mit mehrfachen religiösen Identitäten.

 

Die Zahl der Mitglieder der Gemeinschaft in Österreich beziffert sich heute auf etwa 700. Weltweit wird die Zahl der Mitglieder auf zwei bis drei Millionen geschätzt, von denen der Großteil in Korea, Japan und den Vereinigten Staaten beheimatet ist.