{"id":2193,"date":"2025-04-01T19:25:50","date_gmt":"2025-04-01T17:25:50","guid":{"rendered":"https:\/\/vereinigungskirche.at\/uca\/?p=2193"},"modified":"2025-04-01T20:32:36","modified_gmt":"2025-04-01T18:32:36","slug":"der-kampf-um-wahrheit-und-gerechtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vereinigungskirche.at\/uca\/der-kampf-um-wahrheit-und-gerechtigkeit\/","title":{"rendered":"Der Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dokumentarfilm \u00fcber die Verfolgung der \u201ePrinzipienleute\u201c in der Tschechoslowakei (1974)<\/strong><\/p>\n<p>Vor f\u00fcnfzig Jahren wurde unsere Glaubensgemeinschaft von den kommunistischen Beh\u00f6rden massiv verfolgt. Im Juli 1974 begann der politisch motivierte Prozess gegen die so genannten \u201ePrinzipienleute\u201c. Dieser Name wurde von den Kommunisten verwendet, da die Vereinigungskirche amtlich nicht existierte.\u00a0 Das endg\u00fcltige Urteil des Obersten Gerichtshofs der Slowakei wurde am 10. Oktober 1974 verk\u00fcndet. Von 38 Mitgliedern, die in mehreren Verfahren vor den Richtern standen, wurden 28 wegen versuchter Subversion (Umsturz des Staates) ins Gef\u00e4ngnis geschickt. Sie verb\u00fc\u00dften insgesamt mehr als 50 Jahre in verschiedenen Gef\u00e4ngnissen.<\/p>\n<p>Das Drama, das sich damals abspielte, schien es wert, f\u00fcr die Geschichte festgehalten zu werden. So beschloss die Historikerin und Journalistin Barbara Grabner (Mission Butterfly, Kains Kinder), gemeinsam mit ihrem Mann Milo\u0161 Klas, einen Dokumentarfilm zu produzieren. G\u00e4nzlich unerfahren auf diesem Sektor wandten sich das Ehepaar an das Institut f\u00fcr Nationales Ged\u00e4chtnis (UPN). Es fanden mehrere Treffen mit Experten statt, aber sie z\u00f6gerten, die Aufgabe zu \u00fcbernehmen. Nach einigen Wochen wurde klar, dass sie weder Budget noch Personal daf\u00fcr frei machen konnten (oder wollten).<\/p>\n<p>Doch das Ehepaar gab nicht auf. \u201eDa wir Veranstaltungen zum Jahrestag der Verurteilung planten, beschlossen wir, selber einen Dokumentarfilm zu produzieren\u201c, erkl\u00e4rt Barbara Grabner. \u201eOhne praktische Erfahrung war das eine gro\u00dfe Herausforderung. Wir haben verzweifelt nach Alternativen gesucht.\u201c Unterst\u00fctzung kam dann von Tony Cook, der \u00fcber die n\u00f6tige Ausr\u00fcstung, technisches Know-how und Erfahrung verf\u00fcgt. \u201eWie man ein Drehbuch schreibt, wenn man das noch nie gemacht hat, war eine weitere Herausforderung. Also schaute ich mir \u00e4hnliche Dokumentarfilme an und machte mir Notizen zu Details. Tony unterst\u00fctzte mich dabei.\u201c Gl\u00fccklicherweise fand sich ein Sponsor: die (bescheidenen) Kosten wurden vom der slowakischen FFWP \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Vom Fr\u00fchjahr bis zum Herbst 2024 wurde die Produktion Schritt f\u00fcr Schritt vorangetrieben. Unerwarteterweise waren einige der damals Verfolgten nicht bereit, ein Interview zu geben. \u201eEinige wollten die Angelegenheit \u00fcberhaupt ruhenlassen. Ratlosigkeit und Entmutigung \u00fcberkam uns.\u201c Einige Freiwillige gab es doch: \u00a0Al\u017ebeta Dani\u0161kov\u00e1, die erste Kirchenleiterin, die eine fast f\u00fcnfj\u00e4hrige Haftstrafe verb\u00fc\u00dfen musste, lud das Kamerateam in ihr Haus. An den Rollstuhl gefesselt war es f\u00fcr sie eine doppelte Belastung, \u00fcber die Ereignisse zu berichten, zumal ihre beste Freundin Marie \u017divn\u00e1 in der Untersuchungshaft gestorben ist.<\/p>\n<p>Erfreulicherweise gew\u00e4hrten der mutige Verteidiger Dr. \u0160tefan Detvai und Dr. \u013dubom\u00edr Morbacher, ein Historiker des Instituts f\u00fcr Nationales Ged\u00e4chtnis (UPN), ausf\u00fchrliche Interviews. So wurden mehrere Interviews gefilmt, historische Bilder und Dokumente gesammelt und archiviert, um sie f\u00fcr k\u00fcnftige Projekte bereitzustellen. Diese Arbeit wurde gr\u00f6\u00dftenteils von Milo\u0161 Klas erledigt, der damals ebenfalls inhaftiert war.\u00a0 \u201eEin besonderes Erlebnis war es f\u00fcr mich, die Fotos der verurteilten Mitglieder zu sehen &#8211; so junge und hoffnungsvolle Gesichter. Sie auf dem Bildschirm zu sehen, hat mich tief bewegt\u201c, erinnert sich Tony Cook.<\/p>\n<p>Eine weitere Herausforderung f\u00fcr das Team bestand darin, die besten Drehorte zu finden. Das Haus, in dem die erste Missionarin Emilie Steberl lebte, existiert noch und wurde im Film verewigt. Ein historisches Objekt ist auch der Kastanienbaum im Horsk\u00fd Park in Bratislava. Dort fanden geheime Treffen statt, meist im Dunkel der Nacht oder am fr\u00fchen Morgen, um der polizeilichen Beobachtung zu entgehen. Leider wurde ein wichtiger Treffpunkt vor einigen Jahren abgerissen &#8211; ein Haus mit gro\u00dfem Garten, welches der zweiten Kirchenleiterin Margita Vr\u00e1belov\u00e1 geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Ende September wurde in aller Eile ein Trailer produziert f\u00fcr die Vernissage der Ausstellung \u00fcber die Verfolgung in der UPF Peace Embassy am 2. Oktober 2025. Obwohl relativ kurz, war das Publikum (70 Leute) beeindruckt. Die von Tony Cook erfundene Einleitung mit dem roten Banner und die markante Melodie zog die Betrachter in den Bann. \u201eDas positive Echo hat uns dazu bewogen, den Dokumentarfilm in k\u00fcrzester Zeit zu realisieren\u201c, erinnert sich Barbara Grabner. Am 10. Oktober wurde der Film bei einer Gedenkveranstaltung dem Publikum (50 Leute) gezeigt. Anfang Dezember wurde er nach m\u00fchsamen Korrekturen und Erg\u00e4nzungen im Institut f\u00fcr Nationales Ged\u00e4chtnis ausgew\u00e4hlten Experten vorgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Da die Slowakei ein eher kleines Land ist, wurde beschlossen, eine englische Version zu produzieren. Diese ist nun auf Youtube f\u00fcr Mitglieder und Freunde rund um den Globus verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Link: <a href=\"https:\/\/youtu.be\/Ca1XuBawznM?si=91G2nOXvXHYHRpwz\">https:\/\/youtu.be\/Ca1XuBawznM?si=91G2nOXvXHYHRpwz<\/a><\/p>\n<p>Dokumentarfilm <strong>Der Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit<\/strong>, L\u00e4nge 30 Minuten. Drehbuch: Barbara Grabner. Kamera: Anthony Cook. Technischer Assistent: Milo\u0161 Klas, produziert in Bratislava, 2024.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"The Struggle for Truth &amp; Justice\" width=\"1060\" height=\"596\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Ca1XuBawznM?start=138&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dokumentarfilm \u00fcber die Verfolgung der \u201ePrinzipienleute\u201c in der Tschechoslowakei (1974) Vor f\u00fcnfzig Jahren wurde unsere Glaubensgemeinschaft von den kommunistischen Beh\u00f6rden massiv verfolgt. Im Juli 1974 begann der politisch motivierte Prozess gegen die so genannten \u201ePrinzipienleute\u201c. 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