Vereinigungskirche

SEGEN DER LIEBE

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erschienen im Kando-Verlag SEGEN DER LIEBE

LIEBE, EHE UND WELTFRIEDEN

Liebe – nur ein Wort? – Ursprüngliche Beziehungen – Wo Liebe fehlt – Mißbrauch der Liebe – Ein fundamentaler Defekt? – Der Verlust des Paradieses – Eine versteinerte Welt – Religion, Familie und Himmelreich – Keuschheit, Treue und Ekstase – Vorbilder der Liebe – Romantische Ehe – arrangiert – Anmerkungen

 

Hinter dem Aufstieg und Niedergang von Zivilisationen und dem Geschick der Nationen steht eine Kraft, die in ihrer Stärke jeden Aspekt menschlichen Lebens berührt. In keiner Schule oder Universität wird gelehrt, wie diese Kraft zu berechnen sei. Die EU-Kommission in Brüssel hat sie durch keinerlei Richtwerte regulieren können. Genausowenig wird sie in nationalen Parlamenten legislativ abgehandelt oder in den Zentralen internationaler Konzerne ausgepokert. Dichter und Liedermacher reden mehr über diese Kraft als über irgend etwas anderes. Ohne sie wäre Hollywood ein unbekannter Vorort von Los Angeles. Sie überstrahlt alles Wissen, alle Macht und allen Reichtum, und in Wahrheit tanzen und drehen sich Politik und Wirtschaft nach ihrem Rhythmus.
Es ist eine Kraft so einfach und für den menschlichen Geist so elementar, daß Frauen wie Männer ihr täglich neu erliegen. Sonnenklar – diese Kraft ist die Liebe, der Menschen ewiges Begehr. „Gott ist die Liebe“ – oder ist Liebe göttlich? Doch obwohl die Liebe unserem Leben vielleicht seinen tiefsten Sinn verleiht, mögen manche Menschen sich nicht auf die Liebe einlassen. Liebe kann uns nämlich himmelhohe Freude genauso wie unermeßliches Leid bescheren. Unerwiderte und betrogene Liebe haben Menschen in Verzweiflung gestürzt, sie zu Alkoholikern, Süchtigen, sogar zu Mördern und Selbstmördern werden lassen.
Die Geschichte menschlicher Beziehungen hat uns alle gelehrt, daß es nicht so einfach ist mit der Liebe, wie sie in eigenen Hoffnungen, poetischen Höhenflügen und selbst im obersten Gebot Christi vor unseren Augen aufscheint. Größtes Ideal und höchste Erwartung unserer Jugend, leidet die Liebe in ihrer Realität an zahllosen widersprüchlichen Erfahrungen, ist von großen Hoffnungen ebenso gekennzeichnet wie von zerbrochenen Träumen, von echten Gefühlen ebenso wie von bloßer Körperlichkeit. Die Geschichte der Liebe weiß von glücklichen und zerstörten Familien, von gegenseitiger Hingabe und selbstsüchtiger Ausbeutung.
Im Angesicht solcher Ungewißheiten schrecken Menschen vor der Liebe zurück, lehnen es ab, sich auf Gefühle oder gar eine lebenslange Beziehung einzulassen. Wenn die Ehe als Versprechen dauerhafter Liebe nur noch wenig gilt, wird die Familie zum Bermudadreieck der Emotionen, in dem die wärmsten Gefühle spurlos verschwinden und die besten Absichten untergehen. Scheidungen werden im ICE-Tempo durchgesetzt; Paare vereinbaren Zeitverträge anstatt eines Ehegelübdes. So hat die Ehe als gesellschaftliche Institution ebenso wie als persönliches Lebensmodell eine Schwächung erleiden müssen – obwohl die Familie für die Mehrheit aller Menschen immer noch Zielbild und Inbegriff ihrer Lebenswünsche ist.
Eine Spiegel-Umfrage zu den Werten der Jugend ergab bei der Frage nach dem Warum? des Daseins als mit Abstand meistgegebene Antwort: um das Leben zu genießen.1 In der gleichen Umfrage sagten mehr als vier von fünf jungen Menschen, sie möchten einmal Kinder haben und die Familie gehöre für sie – neben Liebe, Gesundheit und Freundschaft – zu den wichtigsten Lebensinhalten. Als erstes Fazit dieser Gedanken über den Zustand der Liebe drängt sich folgender Eindruck auf: die Gefühlslage vieler moderner Menschen wird von großen Spannungen und mannigfachen Unsicherheiten bestürmt. Wie kann der elementare Wunsch nach Lebensfreude und Abenteuer mit dem Ziel des dauerhaften „konventionellen“ Familienlebens zusammengebracht werden? Und wo sind Vorbilder zu finden, die für die Umsetzung eines solchen erfüllten Lebens hilfreich sind?
Die Beziehungskrise des modernen Menschen spiegelt sich auch im Gegensatz von Ehehoffnungen und Scheidungsraten wider; die christliche Formel: „Bis daß der Tod Euch scheide“ meinen viele Ehekandidaten von vornherein nicht recht ernst. Kann es da überraschen, daß ein Ja-Wort vor den Traumhochzeit-Kameras vielen wie das Non-Plus-Ultra der Eheschließung vorkommt und daß allenthalben neue, alternative Familienkonzepte ausprobiert werden? – Schließlich rangieren die großen alten gesellschaftstragenden Institutionen und Sinngeber heute weit unten auf der Glaubwürdigkeitsskala: Gewerkschaften, Kirchen und Parteien haben weniger Anhänger als die Unterhaltungskonzerne.

 

 

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Liebe – nur ein Wort?

Aber gibt es sie überhaupt, die Liebe? Oder ist das nur eine Riesenillusion? Neben der großen Suche nach „alternativen“ Formen des Familienseins hält die Diskussion um eine neue sexuelle Identität des Individuums jetzt schon einige Jahrzehnte an. Hat Liebe etwas mit sexueller Vereinigung zu tun? Welche Formen der Sexualität sind natürlich – ist nicht vielmehr alles erlaubt? Oder sind wir Menschen nicht gar genetisch vorprogrammiert, so daß Männer und Frauen zu einer langen, intensiven monogamen Liebesbeziehung nicht in der Lage sind? Die jüngste Debatte in der Frage um Liebe, Treue, Eifersucht ist ins Reich der Erbanlagen abgedriftet.

Sicher ist, Sexualität hat immer starke Attraktivität ausgestrahlt. Sex wird verherrlicht, auf Titelseiten und in Filmen, in Büchern wie in „Männerwitzen“. Mit Sexdarstellungen in Wort und Bild werden jährlich Milliarden von Mark, Dollar und Yen umgesetzt und Hunderttausende von Menschen angelockt. Auch in der Produktwerbung und in Hollywoods Traumindustrie werden Sexsymbole bevorzugt als Köder und Rollenmodelle benutzt. Sie verkaufen sich bestens. Warum? Von einem Reiz des Neuen kann bei diesen immer gleichen Hochglanzposen schon lange nicht mehr die Rede sein. Auch daß hier die seltsame Magie des Verbotenen wirke, scheint in den tabu-armen 90igern höchst unwahrscheinlich. Bringen solche idealisierte Darstellungen des physischen Teils der Liebe in uns Menschen nicht auch eine andere Saite zum Klingen? Vielleicht wecken sie gar eine Erinnerung an ein tieferes Sehnen nach Vereinigung, nach einer Einheit, zu der die menschliche Seele angelegt ist, die uns aber ein unerfüllbarer Traum zu sein scheint? Klingt hier ein Ideal in uns, eine Einheit der Liebe, für die bloßer Sex nur ein herzenshohler Ersatz ist (und in den Tagen des AIDS ein gefährlicher dazu)?

Es gibt noch mehr Fragen: Muß denn Sex die Liebe verdrängen? Können sich ein Mann und eine Frau nicht harmonisch in Geist und Körper lieben, in einer Weise, die ihre wesentlichen Sehnsüchte auf lange Sicht erfüllen kann? Kurz: Gibt es einen Weg der wahren Liebe?

Ein simples Rezept für erfüllte Liebe und die glückliche Familie gibt es wohl nicht. Einen Entwurf, nach dem Liebe und Familie als zentrale Lebensinhalte real verwirklicht werden können, finden Sie im Vereinigungsdenken. Die Verwirklichung dieses Konzepts, das wir Ihnen auf den folgenden Seiten vorstellen, bedarf nicht der Mitgliedschaft in der Vereinigungskirche; es fußt auf einem Denken, das von Experten wegen seiner Bezugsorientiertheit und Familienbetonung gepriesen wird.2

Lehre und Leben des Rev. Sun Myung Moon und seiner Ehefrau Hak Ja Han Moon haben in Hunderttausenden von Individuen aus allen Nationen und Religionen die Zuversicht geweckt, eine neue Qualität der Liebe in sich, ihrer Ehe und Familie zu verwirklichen. Die Zentralität der Familie als Erfüllung des Lebens und Schule der Liebe hat die Bewegung Rev. Moons, die Vereinigungskirche, mehr als alles andere geprägt. Die großen internationalen Segnungen (Hochzeitszeremonien) sind als Symbol dieser familialen Liebe zum Markenzeichen der Vereinigungskirche geworden.

Seit der ersten Segnung im Jahre 1960 haben Rev. und Mrs. Moon Paare in immer größerer Zahl zur Ehe gesegnet, um durch diese aufsehenerregenden Zeremonien ein Zeichen zu setzen, das alle Welt auf die überragende und friedensstiftende Bedeutung wahrer Liebe hinweist. 1961 waren es 36 Paare, in späteren Jahren 72, 124, 430, 777, 1800 und 8000 Paare, die in gemeinsamen Hochzeitszeremonien Gottes Segen empfingen und einander die Ehe gelobten. Die bisher letzte und größte dieser bemerkenswerten Feiern fand am 25. August 1992 in der koreanischen Hauptstadt Seoul statt. Es beteiligten sich 60 000 Individuen, Angehörige aller Rassen, Nationen und Religionen. Aus Afrika und Lateinamerika waren Paare, denen die Anreise nach Seoul nicht möglich gewesen war, über Satellit zugeschaltet.

Es kann kein Zufall sein, daß sich in einer Phase der Beziehungsarmut und des Wertverlustes, in der tradierte Lebensentwürfe in Frage gestellt werden, ein transzendent begründetes Eheverständnis darbietet, das für Menschen aus allen Kulturen attraktiv ist. Wer sich je die Frage stellte: „Warum nehmen Menschen an einer solchen gemeinsamen Großhochzeit teil?“, wird in dieser Broschüre eine Antwort finden. Auf den folgenden Seiten werden wir erläutern, welche theologischen und historischen Überlegungen dem Segnungskonzept zugrundeliegen, warum so viele Menschen die Segnung als Ausgangspunkt eines neuen Lebens hochschätzen und welche Perspektiven aus diesem Konzept für die Erneuerung und Stärkung der Menschheitsfamilie erwachsen können.

 

 

Ursprüngliche Beziehungen

Im Mittelpunkt der Lehren von Rev. und Mrs. Moon steht ihr Konzept der Liebe, genauer der wahren Liebe. Wahre Liebe, so werden sie nicht müde zu betonen, ist der Schlüssel zum Weltfrieden ebenso wie zu einem erfüllten Leben. Wahre Liebe ist an erster Stelle in der Ehe und der Familie erleb- und erlernbar.

So wie wir umgangssprachlich von unserem Ehepartner als „meiner besseren Hälfte“ sprechen, betont wahre Liebe, daß der Lebenszweck des Ehemannes die Liebe zu seiner Frau und der Lebenszweck der Ehefrau die Liebe zu ihrem Mann ist. In einer ihrer Ansprachen hat Mrs. Moon wahre Liebe so charakterisiert:

„Das erste Merkmal wahrer Liebe ist, daß sie aus Gott kommt, der um der Erfahrung der Liebe willen die Schöpfung begann. Als Gott uns schuf, investierte er alles, was er geben konnte, zu hundert Prozent. Leben für andere heißt, daß du zu hundert Prozent dein Selbst gibst, bis nichts mehr übrig ist. Nur dann wird die Liebe deines Gegenübers in dich zurückfluten und deine Leere ausfüllen.“

„Weiter ist wahre Liebe die Liebe, die gibt und vergißt. Wenn du dich an der bewußten Erinnerung festklammerst, was du alles gegeben hast, dann wirst du anfangen zu berechnen, wieviel des Gebens genug sei. Wenn du einmal meinst, genug gegeben zu haben, kann Liebe nicht ewig andauern. In einem unaufhörlichen Strom kann Liebe nur dann fließen, wenn sie bedingungslos gegeben wird.“ 3

Niemand kann wahre Liebe praktizieren, während er unter dem Diktat selbstsüchtigen Verlangens steht. Beziehungen fußen auf unsicherem Grund und können nicht andauern, wenn sie vom Egoismus beherrscht werden. Wahre, stabile Liebe erstrahlt auf der Basis altruistischer Motivation, und das Wesen wahrer Liebe ist es, für andere zu leben. Dies ist wahrhaft Gottes Weg. In dem Maße, in dem wir diesen Weg gehen, können wir mit Gottes Liebe und Herz mitschwingen. Wahre Liebe wird uns zur Einheit mit dem Göttlichen führen.

Eine solche Fähigkeit gebender Liebe erlernt man nicht im Schlaf. In Wahrheit harrt dieses Ideal, obwohl von allen Religionen gepredigt, bis heute auf seine Umsetzung. Als Jesus Christus in der Bergpredigt seine Lehre von der Feindesliebe darlegte, setzte er diese Liebe in Beziehung zu dem Satz „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“. Und auf die Frage nach dem größten Gebot erwidert Jesus mit dem doppelten Auftrag zu lieben: Gott aus ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Gemüte und den Nächsten wie dich selbst.

Wegen dieses höchsten Gebots Jesu wurde dem Christentum vorgehalten, es stelle Anforderungen, denen kein Mensch genügen könne. Andere haben die christliche Praxis an diesem Maßstab gemessen und den Vorwurf erhoben, das Christentum werde den eigenen Idealen in keiner Weise gerecht. Derlei Anwürfe können eigentlich nur zeigen, wie dringend notwendig es ist, die Liebesfähigkeit des Menschen zu entwickeln, so daß wir uns als Kinder Gottes und Träger wahren Lebens qualifizieren.

Allerdings müssen wir, um wahre Liebe zu erlangen, in realistischen Bahnen denken. Die natürliche Basis für diese echte Liebeskunst ist das reife Individuum, ihr Schauplatz ist die Familie. Alles entwickelt sich in zeitgebundenen Prozessen. Um die große Verheißung wahren Lebens und Lieben zu verwirklichen, müssen Individuen erst einmal persönliche Größe gewinnen. Es braucht Zeit, innere Einsicht und ein richtiges Umfeld, damit ein Mensch zur Reife heranwachsen und wahre Liebe empfangen und ausgeben kann.

Selbst eine neuere Theorie über die für die Menschwerdung erforderlichen Faktoren nennt – indirekt – die Liebe als Zentralelement. Maßgeblich beteiligt an unserer Evolution zum Menschen sei demnach die Neotonie, die – im Vergleich zu Säugetieren – Unfertigkeit menschlicher Wesen bei der Geburt und die langdauernde Schutzbedürftigkeit menschlicher Babies. Diese Angewiesenheit auf elterliche Fürsorge ist viel größer als bei allen anderen Lebewesen, sie erforderte soziales Miteinander, Zusammenleben und Kommunikation, auch Arbeitsteilung zwischen Vater und Mutter.4 Wesentlich für den Durchbruch zum Menschsein war also die Hilflosigkeit der Kinder.

Die Familie sollte der zentrale Ort sein, an dem wahre Liebe erlebt wird. Jedoch ist die individuelle Reife eine besonders wichtige Vorbedingung für eine Ehe, aus der eine gesunde Familie entstehen kann. Nur reife, der Selbstlosigkeit fähige Individuen können ihrem Partner in bedingungsloser Liebe begegnen und wahre Liebe in sexueller Einheit zum partnerschaftlichen Höhepunkt entwickeln. Diese Einheit ehelicher Freude von Mann und Frau ist der Ort, an dem Gott wohnen und sich zuhause fühlen kann.

Wahre Sexualität als Ausdruck der Liebe und Akt der Fortpflanzung ist aufs engste mit Gott verbunden, weil Gott Ursprung der Liebe ist. Aus diesem Grund hatte die Ehe in der Geschichte immer Attribute des Heiligen. Die Ehe bietet als Institution den Rahmen für dauerhafte Hingabe, unerläßlich, um das spirituelle Potential sexueller Liebe zu verwirklichen. Die Weltreligionen haben sich daher alle darum bemüht, die Ehe zu schützen; Untreue und Ehebruch werden von ihnen verworfen. Rev. Moon beschreibt das so:

„Gott schuf alle Dinge mit einem entsprechenden Gegenüber, so daß alle Ebenen der Schöpfung Freude und Liebe erleben könnten. Auf den niedrigeren Ebenen drückt Gottes Liebe sich in Form harmonischer physikalischer Gesetze und angeborener animalischer Instinkte aus. Auf der höchsten Ebene kommt Gottes Liebe in der dynamischen liebenden Beziehung von Mann und Frau zum Ausdruck.“

Wo Liebe fehlt

Allerdings hat sich gerade der Schnittpunkt menschlicher Beziehungen und sexueller Liebe als der Prüfstein erwiesen, an dem individuelle wie gesellschaftliche Bande zerbrochen sind. Der Niedergang ganzer Kulturen wurde ebenso auf sexuelle Sittenlosigkeit zurückgeführt wie Untreue als häufigster Trennungsgrund der Gegenwart benannt wird. Die Bibel erzählt von den reichen Städten Sodom und Gomorrha, die an ihrer Unmoral zugrunde gingen. Der britische Historiker Sir Arnold Toynbee spezifiziert diese vage Beschreibung im Hinblick auf weltgeschichtliche Prozesse: „Von den 21 am stärksten profilierten Zivilisationen in der Geschichte sind 19 nicht durch Eroberung untergegangen, sondern aufgrund ihrer internen Dekadenz“. 6 Bekanntestes Beispiel für die Mechanik des Untergangs durch Korruption, innere Schwäche und Unmoral ist das römische Reich.

So wie die Weltgemeinschaft auf internationaler Ebene durch sinnlose Kriege erschüttert wird, treffen wir auf gesellschaftlicher Ebene auf Fremdenhaß, Ellenbogendenken, Solidaritätsschwund und das Fehlen gemeinschaftlicher Strukturen. Die offenen Gesellschaften gehen vielleicht bald daran zugrunde, daß sich niemand mehr für sie interessiert. Die Individualisierung geht so weit, daß Kinder als Hindernis auf dem Weg der Selbstverwirklichung abgelehnt werden, und Demographen – Bevölkerungswissenschaftler – schließen aus den Merkmalen individualistischer Kulturen, daß diese Kulturen „sich selbst zerstören“ 7. Der Direktor des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn warnte daher, daß in hochindustrialisierten Ländern tiefgreifende Veränderungen erforderlich sind, um ein Erlöschen der ethnischen und kulturellen Identität zu verhindern.

Wesentliche soziale Probleme unserer Kultur, die das Leben von Individuen psychisch oder physisch zerstören können, haben etwas mit dem Mißbrauch von oder der Unfähigkeit zur Liebe zu tun: sexuelle Verbrechen an Kindern, innereheliche Gewalttaten, AIDS, Schwangerschaften von Minderjährigen, auch die Bereitschaft zu Gewalt und kriminellem Tun. Die Autoren eines Manifestes für Deutschland 8 (u.a. Helmut Schmidt, Edzard Reuter) haben darauf verwiesen, wie schwer die Kriminalitätsprogrammierung, die in an Liebe toten Familien erfolgt, unser Gemeinwesen belastet.

Mißbrauch der Liebe

Es darf nicht verwundern, daß die lebensgebende Kraft der Liebe auch als Problemfaktor übermächtig sein kann, wenn sie in die falsche Richtung geht. Der Brennpunkt dieser Probleme zeigt sich vor allem in zwei Bereichen: der elterlichen und der partnerschaftlichen Bindung. Die Zerstörung der Eltern-Kind Beziehung legt den Keim für den inneren Bankrott des Individuums. Partnerschaftliche Liebe, die zum mechanischen Körperkontakt abgewertet wird, kann den Geist töten, Vertrauen zerstören, Ideale zerschmettern. Die Familie ist auch unter solchen Umständen Mikrokosmos der menschlichen Verhältnisse: Krieg, Diktatur, Ausbeutung, ja selbst Folter und Vergewaltigung sind aus Familien bekannt. In dieser Grundinstitution sozialen Lebens zeigt sich auch besonders, wie eng Mißbrauch der Sexualität mit geistigen Schädigungen zusammenhängt, an denen ein Mensch leiden kann. Sigmund Freud erkannte diesen kritischen Zusammenhang zwischen Sexualität und psychischer Gesundheit:

„Ich kann es nur wieder und wieder aussprechen – weil ich nie das Gegenteil feststellen konnte – daß Sexualität der Schlüssel ist, der das Problem der Psychoneurose und der Neurose im allgemeinen erklärt.“ 9

Rev. Moon hat ohne Zweifel Recht, wenn er der Liebe die Kraft zuordnet, Himmel und Hölle auszumachen: selbstlose Liebe ist der Himmel, selbstsüchtige Liebe ist die Hölle. Die Korrumpierung der Liebe war der Ausgangspunkt, an dem die sozialen Probleme der Menschheitsgeschichte begannen; die Korrumpierung der Liebe ist die Wurzel der Probleme, die uns heute in unseren persönlichen Beziehungen beeinträchtigen und das Leben schwer machen. Daher wird es uns auch nichts helfen, die Basis für eine zukünftige friedliche Gesellschaft in der Abschaffung der Familie oder in der Rückkehr zu Werten und Lebensweisen der „guten alten Zeit“ zu suchen. Erst die Lösung dieses Grundproblems wird uns in die Lage versetzen, Frieden und wahres Glück zu erreichen.

Ein fundamentaler Defekt?

Zerstörerische Formen der Liebe haben sich in allen Epochen und Kulturen gezeigt. Daher muß in Betracht gezogen werden, daß der Mensch womöglich von Anbeginn an mit einem sozialen Defekt behaftet ist, der sich sonst nirgendwo in der Natur zeigt und der den Menschen als Spezies zum Untergang verurteilt. Die andere Möglichkeit ist die, daß eine destruktive Art der Liebe in der frühesten Phase menschlichen Soziallebens ihre Ausformung fand: das heißt, die menschliche Fähigkeit zu Lieben erlitt in den Tagen der ersten menschlichen Vorfahren eine Schädigung, eine innere Verletzung, die bis heute in uns nachwirkt.

Die Annahme, daß homo sapiens als einzige Spezies zu sozialem Leben unfähig sei, widerspricht jeder Logik und biologischen Einsicht. Höher-entwickelte Lebewesen haben nicht durch arteninterne Zerstörungskriege ihre Existenz gesichert, sondern durch stärkere Fürsorgeinstinkte und größere Organisiertheit. In der Beobachtung, daß wild lebende Herdentiere ihre Jungen und Schwachen auf Kosten der starken Tiere schützen, hat sich ja auch die Simpeltheorie vom Erfolg der Stärksten überlebt. Da wir dem Menschen eine genetisch unabhängige geistige Dimension zubilligen, bleibt die Frage zu erörtern, ob und wie in den Tagen der Erschaffung des Menschen das Liebesideal korrumpiert wurde.

Ein Phänomen von solcher historischen Distanz entzieht sich der empirischen wissenschaftlichen Forschung. Nichtsdestoweniger verfügt die Menschheit über einen reichen Schatz an kulturellen Informationen, die sich mit unserem Ursprung beschäftigen. Warum sollten wir diese weltweit auffindbaren Mythen bei unseren Überlegungen ignorieren? Vielleicht können wir aus dem Studium religiöser Überlieferungen aufschlußreiche Informationen gewinnen.

Es findet sich in buchstäblich allen Religionen und Kulturen ein Mythos, der sich mit dem Ursprung des Bösen befaßt. Diese Überlieferungen untermauern die These, daß die Menschheit in ihrem Anbeginn von einem Zustand der ursprünglichen Reinheit in eine Korruptheit fiel, für deren Entstehen der Mißbrauch der Sexualität verantwortlich gemacht wird.

Eine Vielzahl afrikanischer Schöpfungsmythen berichten von einem guten Zeitalter, in dem die Götter den Menschen nahe waren, bis es durch das falsche Verhalten einer Frau zerstört wurde.10 Hindu-Schriften benennen eine goldene Ära, die zu Ende ging, als die Menschen in Gier und Selbstsucht verfielen.11 Eine buddhistische Erzählung spricht von einer Zeit, in der alle Wesen im Bereich reinen Geistes lebten, bis einer von ihnen eine verbotene Frucht genoß, sich der sexuellen Promiskuität verschrieb, nach physischen Dingen strebte und ein böses Gemüt entwickelte.12

Nach der griechischen Mythologie war Pandora eine Frau, die einen der olympischen Götter heiraten sollte. Die Götter übergaben ihr eine Büchse, die sie bis nach der Hochzeitsnacht nicht öffnen sollte. Sie konnte jedoch ihre Neugier nicht bezwingen und öffnete die Büchse vorzeitig, worauf alle Krankheiten daraus herausschwärmten und die Menschen befielen.

Der Psychoanalytiker C.G. Jung hielt diese Geschichten nicht für bloßen Aberglauben, sondern für die Ausformung von Wahrheiten, die unsere Alltagserkenntnisse übersteigen. Jung glaubte, diese Mythen seien symbolhafte Ausdrücke der kollektiven Menschheitserinnerung, eine Widerspiegelung von allen Kulturen und Rassen grundlegenden Wahrheiten.

Unter all den Geschichten, die sich mit den Umständen des Verlustes ursprünglicher Unschuld befassen, gibt die im Buch Genesis die detaillierteste Beschreibung der Abläufe. Juden, Christen und Moslems haben verschiedene Versionen dieses Berichts in ihren heiligen Schriften verarbeitet.

Der Verlust des Paradieses

Im dritten Kapitel berichtet die Genesis von zwei Bäumen im Garten Eden: dem Baum des Lebens und dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, an dem eine verbotene Frucht wächst. Die ersten Vorfahren, Adam und Eva, lebten in diesem Garten; Gott gab ihnen ein Gebot: „Esset nicht von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen, denn an dem Tage, wo ihr davon esset, werdet ihr des Todes sterben.“ Jedoch trat die Schlange auf den Plan und verführte Eva dazu, die Frucht zu essen. Eva wiederum reichte die Frucht an Adam weiter. Der Mann und die Frau bedeckten danach ihre „unteren Körperteile“ und suchten sich vor Gott zu verstecken. Gott wies sie aus dem Garten und verwehrte ihnen den Weg zurück.

Nachdem Adam und Eva gesündigt hatten, bedeckten sie plötzlich ihre Geschlechtsteile. Warum? Es liegt in der menschlichen Natur, das zu verbergen, dessen man sich schämt. Wenn Adam und Eva mit dem Mund gesündigt hätten, d.h. buchstäblich eine Frucht zu sich genommen hätten, hätten sie ihren Mund bedeckt. Statt dies zu tun, verhüllten sie ihre Genitalien. Das impliziert, daß mit dem Essen der Frucht eine sexuelle Handlung verbunden war.

Wer hat diesen sexuellen Akt initiiert? Die Bibel schreibt, daß eine Schlange Eva versucht habe. Da hier ein intelligentes und kommunikationsfähiges Wesen beschrieben wird, scheint es offensichtlich, daß es sich um kein Tier handelt. Traditionell nimmt man an, daß die Schlange der Erzengel Luzifer sei.

Die Vereinigungstheologie lehrt, daß der Biß in die Frucht, den Eva auf Initiative des Erzengels tat, einen widernatürlichen sexuellen Akt symbolisierte. Weiter zeigt die Metapher von Adams Biß in den von Eva weitergegebenen Apfel an, daß Adam und Eva auch eine unreife, vorzeitige sexuelle Beziehung eingingen.

Nun sind Interpretationen vom Fall der Engel und der ersten Menschen als sexuelles Vergehen aus der jüdischen, christlichen und islamischen Überlieferung bereits bekannt. In den Schriften verschiedener Rabbiner und früher Kirchenväter treffen wir auf diese Ansichten. Der amerikanische Theologe Professor F.R. Tennant schreibt in einer erschöpfenden Studie zu Sündenfallmythen:

„Legenden bezüglich monströser geschlechtlicher Beziehungen zwischen Adam und Eva und Dämonen und vor allem bezüglich einer Beziehung zwischen Eva und der Schlange, oder Satan, finden sich häufig in antiken Quellen.“12

Sicherlich war es Gottes Plan, daß Adam und Eva einander heiraten, jedoch erst nach Erreichen ihrer individuellen Reife. Durch ihre unreife Vereinigung wurde nicht wahre Liebe zur Grundlage ihrer Beziehung. Vielmehr waren selbstsüchtige Motive und physisches Verlangen der Hintergrund. Sie nahmen ihr Sexualleben auf, ohne emotionell dafür reif gewesen zu sein und ohne das nötige Fundament spiritueller Weisheit.

Ihre Beziehungsprobleme folgten auf dem Fuß. Adam und Eva waren nicht fähig, einander reife Liebe zu schenken und eine Familie der Liebe zu gründen. Ihre Kinder erfuhren nicht das nötige Maß an Hingabe, Fürsorge und Zuwendung und waren auch nicht imstande, untereinander eine konstruktive Beziehung zu verwirklichen. Das nächste Ereignis in der von der Bibel beschriebenen historischen Abfolge war in trauriger Fortsetzung der Ereignisse der Mord, den Adams und Evas erster Sohn Kain an seinem jüngeren Bruder Abel beging.

Eine versteinerte Welt

Die Liebe wurde im Anbeginn korrumpiert und konnte nie zu dem erblühen, was sie sein sollte. Die Kinder Adams und Evas, alle menschlichen Generationen, hatten die Folgen zu tragen: wir fühlen uns von Konflikten in unserem Inneren zerrissen, wir sind über jedes Maß selbstsüchtig und eng begrenzt in unserer Fähigkeit, Liebe zu geben und zu empfangen.

Aus dieser Wurzel entwickelte sich die menschliche Geschichte und versteinerte zu einer bis auf den heutigen Tag an Verwirrung le idenden Welt. Unser Wissen um die Natur des menschlichen Falls hat weitreichende Konsequenzen für die Art, in der wir uns selbst sehen, unsere Beziehungen gestalten und unsere Kinder erziehen.

Obwohl der Impuls zur physischen Vereinigung im biologischen Programm des Menschen tief verankert ist, ist die menschliche Liebe weit mehr als ein genetischer Prozeß. Liebe ist die höchste Fähigkeit, die geistig reife Seelen auszeichnet. In der Vorbereitung für diese Liebeskraft ist die Adoleszenz eine Phase, in der sich der Charakter und das Herz eines Menschen entfalten sollten. Teenager sind in aller Regel idealistisch, sensibel, romantisch und zur Hingabe bereit. Dies sind Zeichen dafür, daß sie sich darauf vorbereiten, mit Körper, Geist und Seele zu lieben. Jede verantwortliche Erziehung muß den umfassenden Aspekt der Liebe würdigen, ihren Wert schützen und diesen Reifungsprozeß fördern.

Vor der Ehe sollte ein junges Individuum einer noch geschlossenen Blüte gleichen, sich sexuelle Reinheit bewahren und diese Kraft im Kern ihres Wesens hüten. Jeder Jüngling sei ein reiner Adam, jede junge Frau sei eine reine Eva. Wahrhaftig, Reinheit und Keuschheit sind die besten Voraussetzungen für die Erfüllung des Menschen in einer un-wandelbaren ewigen Liebe. In Menschenbildern und Erziehungskonzepten des 20. Jahrhunderts jedoch wurde die Haltung vertreten, Sex sei eine schlichte biologische Notwendigkeit. Diese Erziehungskonzepte hatten oft die noch nicht einmal gewollte Folge, daß unreife und vorzeitige sexuelle Erfahrungen und Promiskuität für normal galten. Eigentlich vermehrten diese Erziehungskonzepte noch die Probleme, die sie zu lösen suchten.

In der Mehrzahl bemühen sich die Autoren sexualkundlicher Lehrwerke darum, einen unverkrampften, natürlichen Umgang mit der eigenen Sexualität und einen respekt- und liebevollen Umgang mit dem anderen Geschlecht zu vermitteln. Da in den meisten gegenwärtigen Aufklärungsschriften jedoch der Liebesdurst, diese die ganze Person erfassende, aufwühlende Kraft, von der Sexualität isoliert oder als bloßes physisches Bedürfnis definiert wird, werden sie ihrer Aufgabe nicht gerecht.

In der Phase der „sexuellen Revolution“ befolgten viele junge Menschen einen ideologischen Imperativ der Bindungsunfähigkeit: Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment. Wie wir heute wissen, wurde aus dieser Verdammung jeglicher Moralbindung nachher de facto eine Diktatur des Körperlichen. Maßgebliche gesellschaftliche Kräfte von links wie von rechts beklagen heute diese Fehlentwicklungen, die Mitschuld tragen am Konsumismus und der inneren Kälte unseres Jahrzehnts. Hinwendung zur Treue und vorehelichen Enthaltsamkeit aus Gründen der Selbstachtung sind vielbeachtete Gegentrends. Nichtsdestoweniger gibt es noch heute Denkmodelle, die gemäß der pubertär-ideologischen Linie von damals eine Spaltung zwischen Liebe und Sexualität, Geist und Körper, Innen und Außen, Mensch und Mensch propagieren.

Dennoch fallen heute die Aktien frei konsumierbarer Sexualität. Als erster Schock nach der sexuellen Revolution erschütterte AIDS die innere Sicherheit jener Menschen, die in der Annahme gelebt hatten, mit Pille und ohne Moral sei zwischengeschlechtlich alles erlaubt und hemmungsloses Partnerhüpfen so risiko- wie folgenfrei. Eine zweite – und im Gegensatz zur ersten positive – Entwicklung könnte allerdings das mit der Masche sexueller Beliebigkeit gehäkelte Weltbild noch gründlicher aufriffeln als die AIDS-Gefahr. Die besten Orgasmen finden sich nämlich in der Ehe!

Das österreichische Magazin Profil hat zum Jahreswechsel 1994/95 festgestellt, daß „den modernen Menschen die Lust auf die Lust vergangen“14 sei. Das deutsche Magazin Focus notiert in seinem Jahresrückblick ´94 als zentrales Ereignis in der Rubrik „Modernes Leben“, die erste(!) repräsentative Studie zum Sexualleben der US-Bevölkerung habe die „Fama vom modernen Sexmaniac“ über den Haufen geworfen. Während 83% der US-Bürger innerhalb eines Jahres höchstens einen Sexualpartner hatten, entsprach nur eine Minderheit von 4,1% der Männer und 1,6% der Frauen dem Klischee vom wilden Leben mit vielen Partnern.15 Insgesamt findet Sex nicht nur weit häufiger in der Ehe statt als in sogenannten one-night-stands; eheliche Sexualität bietet auch die größten Chancen für eine intensive Erregung. Lapidar heißt es in der Studie: „Ehepaare haben am häufigsten Verkehr und empfinden das meiste Vergnügen dabei.“ Nach Angaben dieser von namhaften Wissenschaftlern 16 erarbeiteten neuen US-Studie haben frühere Umfragen wie der Kinsey-Report sich auf Aussagen von Freiwilligen und Studenten gestützt, die mit Sicherheit nicht repräsentativ waren.

Kurz gefaßt, das Paradies entspringt aus verfügbarer Nacktheit und „freier“ Sexualität ebensowenig wie aus vergesellschafteten Produktionsmitteln oder totaler Weltverneinung, und die Menschen haben´s gemerkt. Völlige Lebensausrichtung auf Körper und Sex führt in Sackgassen, noch toter als der Sowjetkommunismus.

Religion, Familie und Himmelreich

Die Religionen haben es immer als ihre Existenzaufgabe angesehen, zuallererst das gestörte Verhältnis zwischen Mensch und Gott zu heilen, und erst in zweiter Linie auf ein verbessertes Verhältnis der Menschen untereinander abgezielt. Insbesondere die geschlechtliche Beziehung wurde als Ausgangspunkt vielfacher Selbstsucht und Inbegriff der Begierden abgelehnt. Der weiter oben dargelegte vereinigungstheologische Standpunkt macht die Hintergründe dieser religiösen Tradition neu verständlich, aber die Vereinigungslehre verbindet auch die Aufgabe der Versöhnung des Menschen mit Gott fundamental mit der unabdingbaren Zielsetzung, die menschliche Liebe ganzheitlich zur Erfüllung zu bringen.

Jesus wie Paulus schätzten ein Leben im Zölibat für besser ein denn Ehelichkeit, wenn jemand dem christlichen Weg folgen wolle.17 Buddha lehrte ebenfalls die Abstinenz und Tausende von spirituell ausgerichteten Menschen und Mitgliedern religiöser Gruppen sind diesem Beispiel gefolgt. Die monastischen Orden haben im Christentum ungezählten Nonnen und Mönchen als geistige Heimat gedient, und die Erfahrung der Keuschheit hat diesen Menschen gezeigt, daß in der bedingungslosen, ausschließlichen Gottesliebe der tiefsten Seele Freude gründet, eine unbeschreibliche und unvergängliche Süße.

Mystiker und Mystikerinnen haben in dieser Gottesliebe intensivste Gefühle bis hin zur Ekstase erlebt. Läßt eine Liebe mit solchen Qualitäten sich auf die zwischenmenschliche, die horizon-tale Ebene über tragen? Kann die erotische Liebe von Ehemann und Ehefrau so stark, so erfüllend und so verläßlich sein wie die Liebe zwischen Gott und Mensch? Es ist offensichtlich, daß dies nicht die Frage der Kirchen und Mönchsorden war und daß zumindest die offizielle christliche Lehre die Vorstellung zurückwies, ein irdisches Paradies könne in familialer Liebe – ausgehend von ehelicher Hingabe, Ekstase inbegriffen – gestaltet werden.

Insgesamt geht die Tendenz unserer Tage dahin, anstelle von Gottergriffenheit nach Selbsterfahrung zu streben, Gefühlen und Bindungen zu mißtrauen, Liebe und Triebe bestenfalls getrennt zu sehen oder die eigene Beziehungssphäre fern allen Idealen anzusiedeln. Damit droht eine Entzauberung der inneren und äußeren Welt: eine innere Eiszeit.

Es ist eine Allerweltsweisheit, daß in einer derart extremen Situation das Pendel zum Gegenschwung übergehen und eine neue positive Sicht der Liebe aufblühen muß. Vielleicht erleben wir ja auch das letzte, grausamste Aufbäumen geistigen Winters, bevor uns ein nie dagewesener Frühling wahrer Liebe mit seinen Segnungen entzückt. Die Vereinigungslehre vertritt jedenfalls einen solchen Standpunkt, daß heute alle Chancen für diesen Frühling gegeben sind und daß die Arbeit Rev. und Mrs. Sun Myung Moons in diesem Kontext zu verstehen ist.

Auf wissenschaftlichem, sozialem, politischem, philosophischem und religiösem Sektor haben sich in unserem Jahrhundert Entwicklungen vollzogen, die einer neuen Liebesfähigkeit im Konzert von menschlicher Erfüllung und himmlischer Hingabe den Weg geebnet haben. Dieses Spektrum reicht von der Demokratisierung und der Anerkennung der Menschenrechte über die Gleichberechtigung von Frau und Mann bis hin zur Öffnung der religiösen Landschaft für viele Inspirationen. Ein neues Menschenbild zeichnet sich ab, das dem Menschen zum ersten Mal eine realistische Chance zur Verwirklichung seines individuellen und familialen Potentials eröffnet.

Die Vereinigungstheologie unterstreicht, daß wir in einer Zeit leben, in der die geistigen Möglichkeiten der Beziehung von Mann und Frau zur Vollendung reifen können. Die Voraussetzungen stimmen heute, um die durch den Sündenfall zerstörte Beziehungskraft zurückzugewinnen.

Das Vereinigungsdenken erläutert zum einen, wie in unserer Epoche die Beziehung von Geist und Körper in einem konstruktiven Subjekt-Objekt Verhältnis harmonisiert werden und somit das verbreitete religionsgeschichtliche Dilemma der Körperfeindlichkeit aufgelöst werden kann. Zum anderen betont das Vereinigungsdenken als oberstes ethisches Primat eine Liebe, die in der Familie beginnt und auf diesem Fundament gesellschaftliche und internationale Beziehungen bestimmt.

Es ist die familiale Liebe, in der die Liebe Gottes konkret zum Tragen kommt. So unsere Familie gesund ist, erfahren wir Menschen hier die Liebe aus der kindlichen, geschwisterlichen, ehelichen, elterlichen und schließlich großelterlichen Perspektive – eine Offenbarung der Vielfalt, Tiefe und Kraft von Gottes Liebe. Nach diesem Verständnis eröffnet die Ehe dem Menschen eine neue Dimension der Gotteserfahrung und hat die Qualität größter, ja ewiger Bedeutung. Wahre Liebe in ehelicher Gemeinschaft zu erlernen und in einer Familie zu substantiieren, kann als Kernzweck menschlichen Lebens gelten.

Es versteht sich nun von selbst, daß ein Individuum nicht „tabula rasa“ in die Ehe eintritt, sondern eine Summe von Prägungen und Erfahrungen mit sich bringt, welche positive oder nachteilige Bedingungen für die ehelichen Lern- und Kommunikationsprozesse schaffen. Gleichermaßen einleuchten wird daher, daß der Wert einer intensiven Vorbereitung nicht hoch genug angesetzt werden kann. Um den hohen Erfordernissen zu entsprechen, sollte eine Ehevorbereitung sich auf die Schulung des persönlichen Charakters und der Lebenshaltung konzentrieren.

Keuschheit, Treue und Ekstase

Die individuelle geistige, psychische und emotionale Reife jedes Ehepartners ist unabdingbar für eine erfolgreiche Beziehung. Auch die romantischste Ehe und froheste Elternschaft kommen nicht ohne Konfliktüberwindung, bedingungsloses Geben und persönliche Opfer aus. Durch einen Lebensstil, der das Erlernen von Gebens- und wahren Liebesfähigkeiten fördert, können wir unsere konstruktiven Charakteraspekte stärken und unsere wahre Persönlichkeit entdecken.

Die von den Religionen angeratene Keuschheit ist von großer Bedeutung – so ihr Sinn verstanden wird und sie auf einen bestimmten Lebensabschnitt bezogen bleibt. Vor der Ehe sexuell enthaltsam zu leben, ist aus einer ganzen Reihe von Gründen ein hochrangiges ethisches Gebot:

Wir Menschen haben uns durch selbstzentrierte, unreife Liebe von Gott abgeschnitten und Sein Herz gebrochen. Dieser für Gott und Mensch unerträgliche Zustand darf nicht fortgeschrieben werden; jeder Mensch kann Gottes Herz ein Stück weit heilen, indem er die Beziehung zu Gott höher stellt als jede andere und als primäre Beziehung selbständig entwickelt. Dazu gehört es, das ursprüngliche Gebot Gottes, ergangen an die ersten Menschen, zu befolgen. Voreheliche Keuschheit gehört zur Versöhnung des Menschen mit Gott.

Eine echte Liebesbeziehung beeinflußt ein Individuum tiefgreifend und stellt höchste Anforderungen an die Persönlichkeit. Um dem gewachsen zu sein und die Liebe in Geist und Körper wahrhaft genießen zu können, bedarf es persönlicher Qualifikationen. Der Körper reift ohne individuelles Dazutun zur Liebesfähigkeit heran, nicht jedoch der Charakter. Die und der einzelne muß, um sich zu einer wahren Liebe zu qualifizieren, zunächst alle Energien auf geistige und charakterliche Entwicklung richten und Geist und Körper in Einklang bringen, so daß Liebe das ganze Selbst erfassen kann. Die sexuelle Vereinigung mit einem Gegenüber bringt es weiter mit sich, daß jeder Partner vom anderen auch innerlich beeinflußt wird. Eine selbst-schwache Person kann durch diese Erfahrung schweren Schaden erleiden. Hingegen kann der durch Einheit von Geist und Körper gestärkte Mensch – und das heißt, daß der Körper vom Geist regiert wird und nicht umgekehrt -, Liebe intensiv erfahren, ohne an ihr zu zerbrechen oder den Partner durch eigene Unreife zu zerstören. Sexuelle Enthaltsamkeit während der eigenen Reifezeit schützt die persönliche Integrität.

Das ekstatische Verschmelzen zweier Individuen in der Liebe vollzieht sich im Geistigen noch viel intensiver als im Physischen. Wahre Liebe ist die größte universale Kraft; sie verbindet zwei Individuen so unmittelbar wie Geist und Körper im Individuum untrennbar zusammengehören. Wer dieses Ideal umsetzen will, der wird mit Leib und Seele nach dieser Einheit streben, die sich in lebenslanger ehelicher Treue graduell vollzieht. Während das physische Verschmelzen und seine Freude sich in einer Explosion des Augenblicks ereignen, verwirklicht sich die geistige Vereinigung auf lange Sicht und bringt eine stetige, langsam wachsende Erfüllung. Beide Erfahrungen ergänzen und fördern sich gegenseitig. Das Ideal dauernder wahrer Liebe und die Freude tiefer ehelicher Vereinigung sind den Preis vorheriger Enthaltsamkeit tausendmal wert.

Liebe ist eine Handlung, die neues Leben hervorbringt und hervorbringen will. Elternschaft ist ein weiterer, sehr anspruchsvoller Lernprozeß für Mann und Frau, auf den das Individuum gut vorbereitet sein sollte. Wer vorzeitig Elternschaft verwirklicht, ohne die Qualifikation individueller Reife, beeinträchtigt von vornherein die Chancen seines Kindes, sich gesund auf die eigene Persönlichkeit und Liebesfähigkeit hin zu entwickeln. Voreheliche sexuelle Enthaltsamkeit ist in diesem Zusammenhang weit mehr als ein Schutz vor Krankheiten und unerwünschter Schwangerschaft – diese disziplinierte Keuschheit ist eine Vorbedingung, um sich selbst so zu entwickeln, daß man für elterliche Verantwortung reif wird. Voreheliche Selbstdisziplin ist eine wichtige Vorbereitung auf verantwortliche Elternschaft.

Insgesamt kann nicht genug betont werden, daß es der große Wert der Liebe, auch der sexuellen Liebe, ist, der als Rückgrat hinter dieser Auffassung steht. Dieser überragende Wert und nicht eine Ablehnung des Körpers macht es zum Imperativ, sich auf die Liebe gründlich vorzubereiten und in dieser Phase keusch zu leben. Logisch, daß eine so vorbereitete Ehe als lebenslange Gemeinschaft gedacht wird. Eheliche Treue ist in einer Beziehung wahrer Liebe nicht ein von außen kommendes moralisches Gebot, sondern Ausdruck unauflöslicher Einheit, vergleichbar der geistig-physischen Integrität des Individuums. Diese Einheit ist also ein veritabler „one-life-stand“, dynamisch, erfüllend, ewig und im wahren Sinne erotisch. Als Beispiel für dieses Verständnis sei hier noch einmal der Gründer der Vereinigungskirche zitiert, der freimütig erklärt:

„Wo lebt Gott? In dem Ort, an dem wahre Liebe vollzogen wird. Wo ist das? (Im Liebesorgan.) Im Ort größter und höchster Heiligkeit. Wir sollen dies zum Heiligtum wiederherstellen und auf ewig beschützen… Als Ehemann und Ehefrau sollten wir uns voreinander in Dankbarkeit für diesen Ort des Partners verneigen. Dieser Ort ist der Ausgangspunkt des Himmelreichs auf Erden und im Jenseits. Ohne diesen Ort kann das Himmelreich auf Erden nicht zustande kommen. Freude, Hoffnung, Frieden und Freiheit wollen alle auf dieser Basis gedeihen. Doch ohne diesen heiligen Ort kann keines dieser Konzepte Realität werden.“ 18

Des weiteren betrifft das unifikatorische Keuschheitsgebot Männer wie Frauen und unterscheidet sich damit himmelweit von jenen geschichtlichen Konstellationen, die Männern alle Unmoral zugestanden und an Frauen höchste moralische Anforderungen stellten. Eine vertretbare Begründung für diese Doppelmoral gab es nie, und Frauen empfanden diese „männerfreundliche“ Ordnung zurecht als unterdrückerisch und ungerecht.

Die erste Liebe wird in der Dichtkunst immer wieder als erdbebenstarker, vulkanheißer und unvergeßlicher Beginn eines eigenen neuen Lebens beschrieben. Nur birgt erste Liebe weit mehr als emotional-hormonale Wallungen: Seelenverwandtschaft, gegenseitige Ergänzung, Herausforderung durch das im Gegenüber ganz andere, gemeinsame Ideale und Lebensziele, der Wunsch und Wille, alles geben zu können – viele Elemente können und sollten uns zusätzlich zu unseren romantischen Gefühlen in die erste Liebe führen. Eine gute Vorbereitung auf die erste Liebe gehört bedauerlicherweise bis heute nicht zu den vorrangigen familialen oder gesellschaftlichen Erziehungszielen.

Vorbilder der Liebe

Damit dieses Liebesideal eheliche Realität werden kann, sind Voraussetzungen vonnöten, von denen einige in unserer Epoche vielleicht geschichtlich erstmals gegeben und andere noch im Entstehen begriffen sind. Eine solche Ehe muß aus der freien Willensentscheidung der beiden Individuen entstehen und von der Gesellschaft gefördert werden. Sie darf nicht von Konventionen aufgezwungen werden, sie darf nicht von Eigeninteressen der Eltern oder Clans beherrscht oder aus kleinlichen nationalen, rassischen oder religiösen Vorbehalten heraus verboten werden.

Die Tradition abendländischer Eheschließung hat solche Grundsätze nicht gekannt. Dynastische, finanzielle, „äußerliche“ Motivationen herrschten jahrhundertelang vor. Ganzen gesellschaftlichen Gruppen war eine Eheschließung weitgehend verwehrt. Soziale Barrieren verhinderten viele Beziehungen, die Rechte und Würde unzähliger Frauen, aber auch von Männern aus den „Unterschichten“ wurden in den Staub getreten.

In einer verständlichen Gegenreaktion wurde ein romantisches Ideal von der Liebe auf den ersten Blick ersonnen, aber auch dieses an der Allmacht der Emotionen aufgehängte Ehebild hat nicht der wahren Liebe zum Durchbruch verhelfen können. Aus Emotionen wurden Enttäuschungen, aus romantischer Liebe wurden Scheidungskriege. Starke Gefühle reichen offensichtlich nicht hin, um in der „Kunst des Lieben“ Meisterschaft zu erlangen. Auch der Verstand, der gegenseitige Interessenabwägung ermöglicht, der Wille zum Guten und ein ethischer Konsens müssen die Beziehung tragen und in ihr schwingen.

Die romantischen Erwartungen haben sich in allzu vielen Fällen als überzogen und unerfüllbar erwiesen. Dies muß zu einem großen Teil darauf zurückgeführt werden, daß die in solchen Ehen verbundenen Individuen in der eigenen Vergangenheit große Liebesdefizite erlitten oder in unseligen Beziehungsmustern gefangen waren, geprägt durch Konflikte in ihrer Ursprungsfamilie. Aus diesem Umstand erschließt sich eine weitere Notwendigkeit: wahre Liebe muß erlernt werden, wahre Liebe braucht Vorbilder; keine wahren Kinder ohne wahre Eltern.

In diesem Zusammenhang muß es zu denken geben, daß die meisten unserer historischen Heroen und Rollenmodelle – von Karl dem Großen bis zu Karl Marx, von Paulus bis zu Peter Pan, von Rousseau bis zu den Rolling Stones – sich nicht durch eheliche Beziehungsstärke, sondern durch Individualität und persönliche Leistung auszeichneten.

Gemäß ihrer Zielsetzung hat die Vereinigungskirche sich die Erziehung zur Ehefähigkeit als vorrangige Aufgabe gestellt. Der Katholik Dr. Joseph Fichter, ehemaliger Soziologie-Professor an der amerikanischen Loyola-Universität, hat die Ehekonzepte der Vereinigungskirche so beurteilt: „Man muß ihr systematisches Programm zur Wiederherstellung der Familie anerkennen, die Betonung vorehelicher Reinheit, der Praxis des Gebets während der Eheentscheidung, der Bereitschaft, sich bei der Wahl des Ehepartners anleiten zu lassen, der ehelichen Liebe als Ausdruck der Liebe Gottes und der Weitergabe geistiger Vollkommenheit an die eigenen Kinder.“ 19 Die Vereinigungskirche steht für eine Theologie und Lebenspraxis, in deren Mittelpunkt die Familie als Baustein des Himmelreichs steht. Diese Familienorientierung wäre nicht denkbar ohne das Gründerpaar der Vereinigungskirche, den Rev. Sun Myung Moon, und seine Ehefrau, Hak Ja Han Moon. Wenn die Menschheit als Folge des Sündenfalls von falschen Eltern geprägt ist, dann braucht sie wahre Eltern. Im Verständnis der Anhänger Rev. und Mrs. Moons erfüllen diese beiden Menschen diese Rolle. 1960 wurden Sun Myung Moon und Hak Ja Han von Gott in der Ehe gesegnet und erhielten dabei die heilige Aufgabe, die wahre Ehe neuzuschöpfen, welche durch den Fall verloren gegangen war. 1992 haben sie in einer Erklärung zum Beginn des Erfüllten Testament Zeitalters dargelegt, daß sie die ihnen von Gott übertragene Aufgabe erfüllt haben und als erste Menschen zu Wahren Eltern geworden sind. 20

Als wahre Eltern öffnen sie für alle Menschen den Weg in den Bereich der Vollkommenheit als Ehepartner. Eine gute Familie gründet auf guten Eltern; eine gute Gesellschaft beginnt mit guten Familien. Da Eltern die Wurzel für familiale Liebe und Leben sind, kann die Heilung einzelner wie die Heilung der globalen Familie ganz einfach nicht vorankommen, solange die Eltern nicht wiederhergestellt sind. Wahre Individualität und eine wahre universelle Familie hängen beide gleichermaßen vom Auftreten universeller wahrer Eltern ab.

Anhänger der Vereinigungslehre sagen mit Überzeugung, daß Rev. und Mrs. Moon vor und von Gott die Qualifikation erworben haben, diesen einzigartigen spirituellen Segen anderen Menschen in ihren persönlichen und ehelichen Idealen anzubieten. Dieser Segen hat für Unifikationisten größten Wert, er ist aber nicht nur für Mitglieder dieser Kirche gedacht, sondern steht allen Menschen offen.

Mitglieder der Vereinigungskirche verstehen die Segnungszeremonie als eine Reinigungshandlung, in der das Erbe der verderblichen Beziehung unserer ersten Vorfahren wiederhergestellt wird. Daher ist für Vereinigungskirchenmitglieder diese eheliche Segnung mehr als eine Heiratszeremonie. Sie ist Akt der Erlösung und ewiges Gelöbnis einander gegenüber und gegenüber Gott als drittem Partner in dieser Ehe. Die Segnung verbindet jedes Paar geistig mit einer neuen Familientradition, einer geistigen Abstammungslinie, die mit wahrer Liebe als Kern an zukünftige Generationen weitergegeben wird.

Durch die Teilnahme an einer Gruppenzeremonie demonstrieren die Mitglieder der Vereinigungskirche, daß wahre Liebe, in der Ehe verwirklicht, der Schlüssel zu einer friedvollen Welt ist. Sie zeigen durch ihr Beispiel, daß die Ehe eine lebendige, heilige Institution ist, in allen Religionen von zentraler Bedeutung. Wahre Liebe übersteigt alle Grenzen der Rasse, Nationalität und Kultur.

In den 90iger Jahren haben auch immer mehr Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften die Segnung empfangen. Sie erkennen darin einen Weg, um ihre eigenen Ehen auf ein neues Fundament zu stellen und sich der historischen Umformung unserer weltweiten Familienstruktur anzuschließen. Jenseits theologischer Streitfragen gibt es einen Konsens zu ethischen Fragen und zur Wichtigkeit der Familie in allen großen Weltreligionen. Dieser Konsens hat das Potential, einem Weltethos den Weg zu ebnen.

Romantische Ehe – arrangiert

Unter den Menschen, die den Ehesegen nach dem Vereinigungsritus anstreben, sind sowohl verheiratete Paare als auch Individuen, die in der Segnung einen optimalen Ausgangspunkt für eine Ehe sehen. Unverheiratete Mitglieder der Vereinigungskirche, die sich zur Segnung anmelden, sind in der Mehrzahl daran interessiert, durch Rev. und Mrs. Moon einen Ehepartner vorgeschlagen zu bekommen.

Diese unverheirateten Mitglieder der Vereinigungskirche haben sich entschieden, in ihrer Partnerwahl einen unvoreingenommenen, elterlichen Mittler in Anspruch zu nehmen, der Tausenden junger Menschen einen Lebenspartner zeigen konnte. In ihrer überwältigenden Mehrheit sind diese „arrangierten“ Ehen zu glücklichen, stabilen Familien geworden. Diese Bereitschaft, sich einen Partner von Rev. Moon vorschlagen zu lassen – was in der Praxis auch den Willen zur Annahme dieses Vorschlags beinhaltet – ist ein Ausdruck enormen persönlichen Vertrauens und großen Glaubens an Gott und Menschheit. Eine Frau, die diesen Schritt wagt, drückt damit zunächst einmal ihren Willen aus, die Menschheit zu lieben: nicht eine Rasse, Kultur oder Religion grundsätzlich abzulehnen. Genauso ist es für einen Mann, der sich innerlich bereit fühlt, einer ihm anempfohlenen Ehefrau sein ganzes Herz zu schenken und in ihr die andere, „fremde“ Hälfte der Menschheit zu lieben.

Grundlage für die Segnung ist die Überzeugung, daß Gott uns alle liebt und uns so mit einem Partner verbinden kann, daß die Ehe für Mann und Frau und ihre Kinder weitestgehende Erfüllung bedeutet. Rev. und Mrs. Moon sind in dieser Hinsicht für Mitglieder der Vereinigungskirche wahrhafte Instrumente göttlichen Willens und elterliche Ratgeber zugleich.

Als weitere Aspekte sind noch die gemeinsame, kulturübergreifende ethische Überzeugung zu nennen, die gemeinsame positive Lebenshaltung und das Bekenntnis zur Absolutheit ehelicher Treue, die für ein Gelingen dieser arrangierten Ehen sorgen. Es gehört zur unifikatorischen Sicht, daß Liebe keine einmalige Gefühlswallung ist, sondern ein Prozeß, der das Leben aufregend und schön macht, ein Prozeß des dauernden Lernens und Gebens, der Emotion, Intellekt und Willen gleichermaßen beansprucht. Paare, die auf dieser Grundlage eine arrangierte unifikatorische Ehe führen, haben zum allergrößten Teil erlebt, daß ihre Beziehung von Jahr zu Jahr intensiver, erfüllender und romantischer wird.

Diese Art der Eheanbahnung ist so ungewohnt wie erfolgreich. Der Historiker Dr. Paul Johnson beobachtete die große Segnungszeremonie der Vereinigungskirche 1992, bei der 30 000 Paare sich das Ja-Wort gaben. Im englischen Magazin The Spectator schrieb Dr. Johnson über die vielen jungen Männer und Frauen, die als Mitglieder der Vereinigungskirche einer arrangierten Ehe zugestimmt hatten:

„Was meine Aufmerksamkeit erweckte, war die Mitteilung, daß viele der 30 000 Bräute und Bräutigame sich noch nie von Angesicht zu Angesicht gesehen hatten, obwohl sie miteinander im Briefwechsel gestanden hatten. Sie waren von Rev. Moon persönlich zusammengestellt worden. Die meisten Menschen in der westlichen Welt halten das für unerhört, aber wir sind eine Minderheit….Es gibt mehr als drei Milliarden Menschen in nur sechs östlichen Ländern (China, Indien, Pakistan, Indonesien, Bangladesh und Vietnam), neben denen die Zahl von uns Westlern verschwindet. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß die meisten Ehen unter dieser großen Menschenzahl auf die eine oder andere Weise von Eltern oder Familien arrangiert werden, wie es schon immer der Fall war. Aber Eltern und Familien werden oftmals von unwürdigen Motiven geleitet, gewöhnlich finanziellen Interessen. Daher mag es sein, daß diese Zusammenführung durch einen Außenstehenden, der ohne Eigeninteressen nur den Anstand, Zueinanderpassen und, im Falle Rev. Moons, den Weltfrieden im Auge hat, einen Fortschritt darstellt.“ 21

Als aktive Gestalter unserer Weltgesellschaft wissen wir, daß unsere Familien nur im Kontext einer friedlichen und gerechten Welt ihr wahres Glück sichern können und daß wir für diese Welt Verantwortung tragen. Es ist ein wesentlicher Aspekt und ein großes Ziel der unifikatorischen Ehe-Segnung, zu dauerhaftem Weltfrieden beizutragen. Die Teilnehmer an den großen Segnungszeremonien wollen Rassen und Nationen versöhnen. Jedes Paar und jedes Individuum in einer Segnung setzt sich durch die Teilnahme für internationale und interrassische Harmonie ein. Eine friedliche Welt beginnt mit dem Frieden in jeder Familie.

Auch Harmonie unter den Religionen ist in den Segnungszeremonien implizit. Ein Bekenntnis zu ehelicher Hingabe, Treue, elterlicher Verantwortung und ethischem Konsens, der Glaube an den Gott aller Menschen und aller Religionen, sind Voraussetzungen für die Teilnahme an einer Segnungszeremonie. Die Mitgliedschaft in der Vereinigungskirche ist nicht Bedingung. Nach unifikatorischem Verständnis ist es Gottes Wunsch, alle Menschen zu segnen. Die Segnung ist ein Akt der Versöhnung mit Gott, ein eheliches Gelöbnis höchster Qualität, ein Bekenntnis zum Frieden unter Nationen, Rassen und Religionen. Sie steht Individuen und Paaren offen, die mit den oben beschriebenen Konzepten grundlegend übereinstimmen und die aus ihrem Leben noch mehr machen wollen: ein Fest wahrer Liebe.

Anmerkungen

  1. )Spiegel Nr. 38/1994, S.65ff
  2. )vgl: Joseph Fichter, The Holy Family of Father Moon, Kansas City, 1985 und Herbert Richardson, Bezugsorientiert Denken, Aquarius-Verlag, 1978
  3. )Hak Ja Han Moon, True Parents and the Completed Testament Age, New York 1993
  4. )Reiner Klingholz, Wahnsinn Wachstum, GEO-Reihe, Hamburg 1994
  5. ) Sun Myung Moon, True Parents and the Completed Testament Age, New York 1993
  6. )Arnold Toynbee, Die Geschichte der Zivilisation
  7. ) Miegel, S. Wahl, Das Ende des Individualismus, Bonn 1993, S 64 u. S. 141ff
  8. ) Dönhoff, M. Miegel, W. Nölling, E. Reuter, H. Schmidt, R. Schröder, W. Thierse, E.U. v. Weizsäcker, Weil das Land sich ändern muß, Rowohlt 1992/93
  9. )Sigmund Freud: Drei Essays zur Sexualtheorie
  10. )World Scripture, New York 1992: African Scripture – Basonge, Dinka and Hutu tradition
  11. ) a.a.O.Laws of Manu 1.81-86,
  12. ) a.a.O. Ekotara Agama 34 and Ch´i-shih Ching
  13. ) F.R. Tennant, The Sources of the Doctrines of the Fall and Original Sin. New York, 1968
  14. ) Profil, Nr. 51/52, 1994
  15. ) zitiert aus: Sexwende, Liebe in den 90ern, Knaur 1994
  16. ) Die dem Buch Sexwende zugrundeliegende Studie wurde als National Health and Social Life Survey (NHSLS) von R.T. Michel, Meinungsforscher an der Univ. Chicago, Prof. J. H. Gagnon, Psychologe und Soziologe, New York State Univ., Prof. E. O. Laumann, Soziologe, Univ. Chicago unter Mitarbeit der Wissenschaftsjournalistin Gina Kolata durchgeführt.
  17. ) vgl. Mt. 19,12 u. 1. Kor. 7,7
  18. ) Rev. Sun Myung Moon, Let us find our True Self, HSA-UWC, New York 1994
  19. ) Joseph Fichter, The Holy Family of Father Moon, Kansas City, 1985
  20. ) Hak Ja Han Moon, True Parents and the Completed Testament Age, New York 1993
  21. ) Paul Johnson in The Spectator Magazine, London 1992 Weitere Zitate aus: Angelus Silesius, Aus dem Cherubinischen Wandersmann, Reclam Hans Küng, Projekt Weltethos, Erhebe dich, meine Seele, Mystische Texte des Mittelalters, Reclam A.S. Neil, Summerhill – Theorie und Praxis der anti-autoritären Erziehung sowie World Scripture und verschiedene heilige Schriften

 

 

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