Vereinigungskirche

Meine Geistige Wanderschaft1

g-wanderschaft

Dr. Young Oon Kim
VEREINIGUNGSTHEOLOGIE
Eine Annäherung

ANHANG
Dieser Text wurde von Dr. Young Oon Kim unter dem Titel »The Reverend Sun Myung Moon I Know“ verfaßt und 1988 vom Sung Hwa Theological Seminary, Chonan, Korea veröffentlicht (heute Sun Moon Universität).

Meine Eltern fühlten sich keiner organisierten Religionsgemeinschaft zugehörig. Als Teenager stellte ich mir die üblichen Fragen über den Sinn des Lebens: Warum bin ich hier? Welche Richtung soll ich im Leben einschlagen? Was kommt nach dem Tod? Statt mich irgendwann zu verlassen, steigerten Fragen dieser Art sich stetig an Intensität.

Als vierzehnjährige zog ich ins Haus von Verwandten. Diese sehr wohlhabende Familie lebte am Fuße der Berge. Inmitten des dort vorhandenen Luxus machte ich die Beobachtung, wie innerlich hohl doch materieller Reichtum ist. Im Zusammenleben mit meiner betagten Großmutter stellte ich fest, daß langes Leben nicht notwendigerweise ein Segen ist. Sie lebte nur in der Vergangenheit, hatte keine Zukunft und keine echte Gegenwart.

Auch den College-Studenten, die auf Heimaturlaub von ihren japanischen Universitäten dorthin kamen, sah ich an, wie aufgeblasen sie wirkten. Ich fragte mich, ob College-Ausbildung wirklich den Charakter positiv formt! Letztlich stellte ich fest, daß all die Ehepaare in meiner Umgebung nicht glücklich wirkten, sondern gerade mal zu überleben schienen. Schon als junges Mädchen hatte ich alle Träume aufgegeben, die man in der Jugend gemeinhin vom glücklichen Leben träumt. Das Leben schien so sinnlos.

In dieser Zeit der Verwirrung unternahm ich viele Wanderungen in den Bergen. Irgendwann sagte ich zu mir selbst: „Wenn es einen Gott gibt, wird Er die Antworten haben. Wenn es aber keinen Gott gibt, dann ist das Leben bedeutungslos und nicht wert, gelebt zu werden.“ Es gab Momente, da schrie ich heraus: „Wenn es Dich gibt, Gott, dann zeig Dich mir.“ Aber nichts geschah, zumindest nicht sofort.

Eines Tages im Sommer jedoch, ich saß unter einer Glyzinie in unserem Garten, hörte ich eine Stimme zu meiner Rechten, die sagte, „Er liebt Dich. Er liebt Dich. Die Bibel sagt’s.“ Die Stimme war hörbar, aber sie war nicht menschlich. Die Sache war sonderbar, aber mein Herz fühlte sich emporgehoben. Noch in derselben Woche hörte ich die Stimme innerlich ein zweites Mal. Sie drängte mich, eine Kirche aufzusuchen.

Ich ging also in eine nahegelegene japanische Methodistenkirche und nahm am mittwöchlichen Gebetskreis teil. Nur fünf Leute waren da. Der Pastor eröffnete den Gottesdienst mit einer Hymne vom Schäfer auf der Suche nach einem Schaf. Ich sang mit unterdrückter Stimme mit. Urplötzlich hörte ich von oben herab eine Stimme, die sagte: „Nicht du hast mich gesucht. Ich habe dich gesucht.“ War Gott da neben mir gegangen, auf all meinen Wanderungen, auf denen ich in den Hügeln nach Ihm gerufen hatte? Tränen schössen mir aus den Augen. Auch als ich noch nichts über Gott gewußt hatte, hatte Er mich gekannt und sich nach mir gesehnt. Seit jenem Abend war mein Herz erfüllt von Gott, nur vom Gedanken an Gott beseelt. Mit Anbruch des nächsten Morgens stieg ich wieder auf den Hügel und betete. An jedem Morgen ging ich dorthin, um zum Himmlischen Vater zu sprechen.

Eines Tages kam ich auf dem Weg zur Arbeit an einem großen Plakat vorbei, auf dem für diese Woche eine Serie von Erweckungspredigten mit Rev. Yong Do Rhee angekündigt wurden. Ich besuchte noch am gleichen Abend die große koreanische Methodistenkirche, um Rev. Rhee zu hören. Obwohl ich eigentlich rechtzeitig dort war, mußte ich mich in die Kirche quetschen, weil schon Hunderte von Besuchern vor mir gekommen waren. Rev. Rhee war ein junger Methodistenpfarrer, der recht intellektuell, aber auch sehr gefühlvoll predigte. Er hatte in einem liberalen methodistischen Seminar studiert. Aus den feurigen Worten seiner Predigt konnte ich den Heiligen Geist heraushören. Ja, da war Gericht, so wie er jeden zur Umkehr aufrief. Die Herzen aller Anwesenden schmolzen dahin, weil seine ernsten Worte von einer tiefen Gottesliebe getragen wurden. Pfarrer, Gemeindeälteste, Diakone, Doktoren, Anwälte, Geschäftsleute, Lehrer, Männer wie Frauen, sie alle weinten demütig in tiefer Reue.

Rev. Rhee war ein demütiger, zurückhaltender, bescheidener Mann. Aber stand er einmal auf der Kanzel, so wurde er zu einem dynamischen, äußerst beredten und feurigen Prediger. Doch war keine Spur von Fanatismus in ihm. Auch nach Ende des Gottesdienstes blieben viele Leute in der Kirche und beteten fort. Durch die Nacht hindurch würden einige von ihnen in Zungen reden, andere prophezeien, wieder andere in Trance fallen. Solche geistigen Phänomene traten Nacht für Nacht auf, bis zum Ende der Erweckungswoche. Reverend Rhee war ein Mann tiefen Gebets, großer Liebe zu Jesus und voll des Mitgefühls für hungrige Seelen. Er war dazu in der Lage, alles Geld in seinen Taschen an Straßenbettler zu verteilen und zu Fuß heimzugehen, weil er keinen Pfennig mehr für eine Busfahrkarte übrig hatte.

Nachdem Rev. Rhee weitergereist war, hungerte die Gemeinde nach mehr, denn sie hatte den Heiligen Geist geschmeckt. Aber, niemand war da, der diese hohe spirituelle Atmosphäre hätte aufrechterhalten können. So ergab es sich, daß methodistische und presbyterianische Pastoren in meiner Heimatstadt wie im ganzen Land anfingen, Rev. Rhee für die Spaltung ihrer Gemeinden verantwortlich zu machen. Er wurde sogar zum Häretiker erklärt wird ein Predigtverbot wurde gegen ihn verhängt. Man zwang ihn auf Dauer von der Kanzel. Schon ein Jahr später starb Rev. Rhee, gerade 33 Jahre alt. Aber heute, da 50 Jahre seit seinem Tod verstrichen sind, genießt der Name Rev. Yong Do Rhee in allen christlichen Kreisen Koreas großen Respekt als authentischer Überbringer des Wortes Gottes. Er hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck, was es heißt, wahrer Nachfolger Christi zu sein.

So tief von Rev. Rhee angerührt, unternahm ich eine allnächtliche Gebetswache in der Kirche, in der er predigte. Während dieser Gebete erlebte ich eines Nachts in der Weihnachtszeit eine Vision: ich sah, wie Jesus ans Kreuz geschlagen wurde – welch überwältigender Ausdruck seiner Liebe zu mir. Am Fuße des Kreuzes sah ich mich selber stehen, in tiefer Reue, daß ich seine Liebe nicht erkannt hatte. Als ich vor Morgengrauen die Kirche verließ, tauchte ein brillantes Licht alles um mich in seinen Schein. Ich hörte eine Stimme, sie sagte: „All das habe ich für dich geschaffen.“ Alle Dinge in Sichtweite schlössen sich an: „Wir wurden für dich geschaffen, wir werden dir dienen.“ Diese Erfahrung hat mich von Grund auf verwandelt, was sogar andere Menschen wahrnahmen.

Die Osterzeit brach an. Am Vorabend des Osterfestes war ich wieder in der Kirche, im Herzen den Wunsch, den erstandenen Christus zu treffen und mit ihm aufzuerstehen. Als wiederum gerade nach Mitternacht die triumphale Freude der Auferstehung in meine Seele strömte, könnte ich nicht mehr im Knien verharren: ich mußte aufsitzen und singen: „Christ ist erstanden.“ Ich sang den ganzen Morgen. Im Zuge dieser Erfahrung entschloß ich mich, mein Leben ganz der Verkündigung des erstandenen Christus zu weihen.

Es war einige Jahre später, da erfuhr ich von einem vertrauenswürdigen Pastor namens K.S. Rhee, daß er in der gleichen Nacht eine Vision des auferstandenen Christus gesehen hatte, der Maria Magdalena ansprach und ihr sagte, sie solle ihn nicht berühren, sondern hingehen und den Jungem sagen, daß er sie in Galliläa treffen werde. Dieser Rev. Rhee sah dann, wie die Vision in mich hineinfloß und sagte zu irgendjemandem: „Wir sollten Young Oon Kim im Auge behalten.“

Damals hatte ich eine Arbeitsstelle bei einer Bank, aber eines Tages sagte mir eine Stimme: „Gib dich nicht mit toten Zahlen ab. kümmere dich um die Lebenden.“ Ich nahm an. ich sollte Lehrerin werden. Ich belegte die entsprechenden Kurse und bestand die amtlichen Prüfungen, dann ging ich aufs Land, um Zweitkläßler zu unterrichten. Das war eine Klasse von gut 70 Jungen und 10 Mädchen. Ich investierte all meine Kraft und Liebe in sie.

In dieser Phase nahm ich auch das Studium der Werke des Emanuel Swedenborg auf. Er war ein bekannter schwedischer Wissenschaftler, Philosoph, und Mitglied des schwedischen Parlaments auf Lebenszeit. Im Alter von 55 Jahren erlebte er, wie seine geistigen Sinne geöffnet wurden. Er kommunizierte frei mit der geistigen Welt. Wiederholt betonte er in seinen Schriften, daß wir die göttlichen Wahrheit verstehen und nach ihr leben müssen, indem wir anderen in göttlicher Liebe dienen – nicht um des Ruhmes, Geldes, Einflusses oder irgendeiner anderen Belohnung willen. Allein um der Liebe und Wahrheit willen, und letztlich um Gottes willen, so lehrt es Swedenborg, und seine Botschaft wurde mir als kostbare Wahrheit zur Grundlage meiner Theologie.

Wieder hörte ich eine klare Stimme, sie sagte: „Tu was, das ewigen Wert hat.“ Die Arbeit, die ich hier tat, konnte jeder erledigen. Ich spürte, mein Lebenswerk müsse anders aussehen. So wie ich von Swedenborg gelernt hatte, daß Gottes Wort ewigen Wert besitzt, entschied ich mich, die Bibel zu studieren.

Ein Weg dazu öffnete sich mir im Besuch der Kwansei Gakuin Universität in Japan, wo ich fünf Jahre lang am theologischen Seminar studierte. Es handelte sich hierbei um ein liberales methodistisches Seminar, an dem die bibelkundlichen Studien kritisch und in historischer Analyse betrieben wurden. Nach zwei oder drei Studienjahren fragte ich mich, welchen Wert die akademische Theologie überhaupt habe und betete über diese Frage. Gottes Antwort lautete: „Kenne die Waffen deiner Feinde.“ Dies nun schien mir zu bedeuten, daß einerseits das Christentum die von Jesus gelehrte göttliche Wahrheit bewahrt und übermittelt hatte, daß andererseits das Christentum aber auch menschliche Irrtümer verbreitete, die auf einer falschen Wahrheitsinterpretation beruhten. Ich müsse diese Irrtümer ausmachen, offenlegen und sie korrigieren. Um das zu können, mußte ich die herkömmliche christliche Theologie gut kennen. Ergo setzte ich meine Studien mit voller Hingabe fort, ohne weiter zu fragen, und vertraute darauf, daß meine Zukunft in Gottes Hand liege. Nach meiner Rückkehr in die koreanische Heimat übernahm ich eine Dozentenstelle an der Bibelhochschule für Frauen in Pyung Yang. Die japanische Kontrolle koreanischen Lebens wurde in dieser Zeit immer intensiver, nach einiger Zeit wurde auch das Lehren der Bibel untersagt. Da ging ich in die Kum Gang Berge, um zu beten.

Nach Kriegsende zogen die Japaner ab, aber dafür kamen die Russen. Bald nahmen die Kommunisten Kontakt zu mir auf und ersuchten mich, eine Rede zu halten. Ich wußte, daß jetzt sofortige Flucht erforderlich war und entkam mit einigen Mitgliedern meiner Kirche nach Seoul. Dort nahm ich zunächst eine Stelle an einer katholischen Oberschule und dann an einer neugegründeten theologischen Fakultät an. In dieser Phase lud mich Dr. Helen Kim, Präsidentin der Ewha-Frauen-Universität. zu einem Gespräch ein. Sie bot mir an, Kurse im neuen Studiengang christlicher Soziallehren zu unterrichten.

An der Ewha-Universität begegnete ich einigen kanadischen Missionaren. Sie suchten nach zwei qualifizierten Koreanern – einem Mann und einer Frau, die zum Studium nach Kanada eingeladen werden sollten. 1948 wurde mir dieses Stipendium bewilligt, und ich ging an die Universität von Toronto, wo ich am zugehörigen Emmanuel-College drei Jahre lang studierte. In dieser Zeit brach der Koreakrieg aus.

Bald darauf sprachen meine kanadischen Gastgeber noch die Einladung aus, ich solle nach Europa reisen. Ich fragte, warum, Sie erwiderten, es sei ihr Anliegen, daß ich mit eigenen Augen sehen könne, wie die Deutschen ihr Land nach den Zerstörungen des Krieges wiederaufbauten und daß ich als Gast an verschiedenen Ökumenischen Studiengängen in Europa die Vorträge prominenter Theologen hören solle.

Dank der von diesen kanadischen Missionaren getroffenen Arrangements konnte ich nun an verschiedenen ökumenischen Studiengruppen in Deutschland, England und der Schweiz partizipieren, desgleichen an Jugendprojekten vom Weltkirchenrat; auch konnte ich europäische Universitäten aufsuchen. Dies waren sechs Monate anregender Erfahrungen, nach deren Ablauf ich auf einem dänischen Frachter in Richtung Heimat fuhr. Diese Reise durch verschiedene Häfen des Orients dauerte zwei Monate. Ich landete in Pusan Anfang Februar 1952. Der Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea war noch nicht unterzeichnet, aber die Waffen schwiegen bereits im südlichen Teil.

Europa, war über viele Jahrhunderte hin das Kernland christlichen Glaubens, und Deutschland war seit der Aufklärung quasi das Gehirn moderner Theologie. Die nordamerikanische Theologie etwa wurde für mehr als ein Jahrhundert in Deutschland geprägt. Während meines Europaaufenthalts stellte ich mir die Frage, wohin sich das westliche Christentum entwickele und welche Vision es besitze. Ich konnte jene schwere Agonie spüren, an der das moderne Christentum damals wie heute litt. Zuerst einmal verloren die Kirchen ihre Jugend; die jungen Menschen fanden in den etablierten Gemeinschaften keine spirituelle Befriedigung mehr. Zweitens mangelte es der Christenheit an der gemeinsamen Entschlossenheit, das weltweite Monster des Kommunismus zu bekämpfen, das uns mit totaler Zerstörung bedrohte – obwohl Christen sehr wohl diese Bedrohung empfanden und in allen Erdteilen unter kommunistischen Machenschaften litten. Drittens: wenn selbst eine völlig vereinte Christenheit kaum stark genug wäre, wie sollte da eine geteilte und widersprüchliche konfessionelle Christenwelt Wirksamkeit entwickeln können? Der Weltkirchenrat war 1948 von weitherzigen und weitsichtigen Konfessionen ins Leben gerufen worden und hatte Ansätze zur Ökumene entwickelt. Jedoch ist die Verwirklichung christlicher Einheit nicht in Sicht; sie scheint nachgerade unmöglich.

Aus der Einsicht in die europäischen Kirchen der Nachkriegszeit verlor ich meine naive Hoffnung ins westliche Christentum und kehrte mit schwerem Herzen nach Korea zurück. Dort wurde ich zunächst einmal krank, und zwar aufgrund der Lebensbedingungen und der schlechten Wasserqualität im von Flüchtlingen überquellenden Pusan. Ein Jahr später öffnete die Ewha Universität erneut ihre Tore in Seoul und ich kehrte dorthin zurück. Jedoch blieb ich krank und es ging mir so schlecht, daß ich mich dem Tode nahe fühlte. In dieser Phase hörte ich eine Stimme sagen: „dies ist eine spirituelle Krise“. Einige Tage darauf besuchte mich eine Frau und erklärte mir, der Herr der Wiederkunft sei in Korea erschienen und ich solle die neue Wahrheit studieren, die er gebracht habe. Ich lachte. Das war so was von schockierend! Doch war ich neugierig und wollte der Sache nachgehen, im Bewußtsein, daß ich es schnell würde feststellen und ablehnen können, wenn diese Ideen falsch seien. Wären sie jedoch wahr, so war das lebenswichtig! Kurz darauf verschlimmerte sich meine Krankheit so sehr, daß Dr. Helen Kim mich mit einem Krankenwagen ins Universitätsspital bringen ließ. Es dauerte drei Wochen, bis ich soweit wieder auf den Beinen war, daß ich das Krankenhaus verlassen konnte.

Nach meiner Heimkehr besuchte ich das Haus, in dem Rev. Moon lehrte und hörte dort Vorträge über die Göttlichen Prinzipien. Am dritten Tag fühlte ich mich völlig von der Krankheit geheilt, die noch in meinem Körper lauerte. In der Nacht, bevor ich mich geheilt fühlte, sprach erneut die innere Stimme Gottes zu mir: „Ich war es, der dich zu Jesus führte, ich war es, der dich zu Swedenborg führte, ich habe dich hierher geführt“. Während der letzten vier Tage meines einwöchigen Aufenthalts im Kirchenzentrum Rev. Moons hörte ich die Lebenszeugnisse einiger Kirchenmitglieder und vor allem die Geschichte vom Leben Rev. Moons. Die Prinzipien der Schöpfung hatten mich angesprochen, weil sie in ihren Konzepten der Polarität, der Wachstumsstufen und der Einheit von geistigen und physischen Dimensionen den Aussagen Swedenborgs ähnlich waren. Was mich jedoch irritierte, war die Lehre vom Fall des Erzengels; wie sollte das möglich sein? Auch die Christologie der Göttlichen Prinzipien machte mir Kopfschmerzen, da ich mit Swedenborg annahm, daß Gott und Jesus eins und wesensgleich seien. Nichtsdestoweniger fühlte Ich mich tief von der erstaunlichen Aussage berührt, daß Gott einen Koreaner erwählt hatte, einen Zeltgenossen meiner selbst.

Zwei Dozentinnen der Ewha Universität hatten die Göttlichen Prinzipien studiert, eine von ihnen hatte mich darin eingeführt. Auch viele Studentinnen wurden von dieser Frau mit den Prinzipien in Kontakt gebracht. Da ich ihre Dozentin, bereits die Prinzipien akzeptiert hatte, empfanden sie, dies müsse die Wahrheit sein. Ohne eine eigene theologische Bindung waren diese Studentinnen für neue Lehren recht offen. Die Nachricht von den Prinzipien verbreitete sich unter der Studentenschaft und viele wurden zu Vorträgen eingeladen. Da die meisten Studentinnen in Wohnheimen lebten, machten Gerüchte über unsere Arbeit schnell die Runde.

Die Universitätsverwaltung stellte sich die Frage, ob dies nun eine schädliche, fanatisierende Gruppe sei. Als bedrohlich empfanden sie vor allem, daß diese Bewegung wohl nicht mehr zu kontrollieren sein werde, wenn sie sich weiterhin so schnell verbreite. So wurde Druck auf mich und auf die Studentinnen ausgeübt. Die Präsidentin der Universität, Helen Kim, fragte mich: „Müssen Sie sich denn völlig in die Arme dieser Bewegung werfen? Können Sie die Sache nicht mit Abstand und Objektivität untersuchen, wie andere Gruppen auch?“ Meine Antwort hieß: „Religion ist mir nicht ein Lebensunterhalt, sondern eine Lebensfrage! Ich kann nicht unbeteiligt sein.“ Eine Woche später rief sie mich erneut in ihr Büro und forderte mich auf, in meinen Kursen oder auf dem Universitätscampus keine Inhalte der Göttlichen Prinzipien zu erwähnen. Wenn ich meinen Glauben für mich behielte, wäre alles in Ordnung. Ich erwiderte: „Frau Präsidentin, die ganze Welt ist die Gemeinde, in der ich lehren kann, daher ist es mir ein leichtes, diese Universität zu verlassen.“ (Tatsache war, daß ich zu niemandem an der Universität gesprochen und keinerlei Regel oder Gesetz dieser Institution verletzt hatte.)

Noch etwa eine Woche später übersandte Frau Kim mir ein Ultimatum: bitte wählen Sie – Entweder Sie distanzieren sich völlig von der Vereinigungskirche und lösen alle Verbindungen, oder Sie legen Ihr Lehramt an dieser Universität nieder.“ Schriftsätze ähnlichen Inhalts wurden an alle Ewha-Studentinnen verschickt, mit Ausschluß bedroht wurden selbst solche Studentinnen, die sich schon auf ihr Examen vorbereiteten.

Diese jungen Frauen wollten jedoch der neuen Wahrheit treu bleiben. Ihre Eltern mischten sich ein und richteten Protestschreiben an die Universität. Die Medien äußerten auch Sympathien für die Studentinnen und kritisierten die Universität dafür, die Religionsfreiheit zu unterbinden. An der Yonsei Universität wurden ein Professor und zwei Studenten mit den gleichen Restriktionen und mit Relegation bedroht. Nun gaben einige der Ewha-Studentinnen den Forderungen der Universitätsleitung nach, aber 13 Studentinnen und fünf Mitglieder der Fakultät weigerten sich, ihrem neuen Glauben abzuschwören. Die beiden Universitäten traten in Aktion und machten ihre Drohungen wahr.

Die Studentinnen waren vielleicht traurig darüber, daß sie zum Abbruch ihres Studium gezwungen wurden, aber keine verfiel in Depressionen oder fühlte sich unterlegen, denn sie hatten eine klare ausformulierte Wahrheit entdeckt, die für unsere Zeit gilt und eine große Zukunft ankündigt. Was mich anging, so fühlte ich, Gott habe mich auf diese Weise von der Universität befreit, da meine neue Mission mich voll in Anspruch nehmen würde. Ich hegte keinen Haß gegen die Menschen, die mich verdammt und als häretisch von der Universität geworfen hatten. Jedoch war die Entscheidung der Ewha-Leitung ein schwerer Fehler, der Gottes Werk behinderte und vielen Menschen den Weg zu ewigem Leben verstellte.

REV MOON, WIE ICH IHN KENNE

Ich möchte jetzt etwas über den Menschen Rev. Moon sagen, über seinen Lebensweg und über persönliche Begegnungen mit ihm. Sein Glaube und seine Persönlichkeit sind wahrhaft gigantisch. Die Aufgabe kosmischer Wiederherstellung anzunehmen und siegreich abzuschließen bedarf eines wirklichen spirituellen Giganten. So jemand ist Rev. Moon. Des weiteren kann niemand in Abrede stellen, da der Allmächtige Gott die Quelle der Kraft und Weisheit des Rev. Moon ist.

Sun Myung Moon wurde am 6. Januar 1920 (Mondkalender) im nordkoreanischen Dorf Jung Ju geboren. Sein Großvater war der erste, der ihn als ungewöhnlich begabt erkannte. Von früher Kindheit an zeigte er einen außergewöhnlichen Gerechtigkeitssinn und einen unbeugsamen Willen.

Einmal erzählte er mir, daß er Im Alter von zwölf Jahren regelmäßig In den Wald an einen stillen Platz ging und betete. Eines Tages, nachdem er gebetet hatte, schien es ihm, als ob die Bäume, die Büsche und das Gras zu sprechen begännen: „Keiner kümmert sich um uns. Wir fühlen uns von den Menschen verlassen.“ Indem er bemerkte, daß die Natur nach Liebe schrie, hatte er das Gefühl, die ganze Welt umarmen zu wollen, und gelobte: »Ich will für euch Sorge tragen.“ Ein andermal betete er: „Vater, gib mir größere Weisheit als Salomon, größeren Glauben als dem Apostel Paulus und größere Liebe als sogar Jesus.“

Es dauerte jedoch bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr, bis in Sun Myung Moon das Bewußtsein um seine mögliche Mission als religiöser Führer erwachte. Wie andere Koreaner auch, hatten sich seine Eltern, angeregt durch die presbyterianische Mission, zum Christentum bekehrt. Beim Sonnenaufgang am Ostermorgen 1936, in tiefem Gebet, erlebte er eine mystische Begegnung mit Jesus. In dieser Vision wurde der koreanische Teenager herausgefordert, Jesu unvollendetes Werk aufzunehmen und das Königreich Gottes auf Erden zu errichten.

Nach diesem mystischen Erlebnis machte Sun Myung Moon sich auf eine intensive Suche nach religiöser Wahrheit. Für mehrere Jahre betete er, studierte er, hörte er zu, was die Menschen über Religion sprachen und erwog tief die Fragen von Gottes Wegen mit den Menschen. Immer wieder fragte er sich: Was ist das letzte Problem – für den Menschen, für das ganze Universum, selbst für Gott? Mit der Zeit kam die Antwort. Für alles, was existiert, einschließlich für Gott, besteht die zentrale Frage darin, wie Liebe zu erlangen sei.

Wie es aus der herausragenden Qualität seiner Lehren ersichtlich ist, ist Rev. Moons Spiritualität von einzigartiger Größe. Er hat eine lange, intensive geistige Suche und einen ebensolchen geistigen Kampf absolviert, die in seinen Lehren zum Ausdruck kommen. Von früher Kindheit an fühlte er sich zu einem Leben tiefen Gebets motiviert und stellte Gott Fragen, die selbst geistig hochstehende Erwachsene kaum je formulieren. Obwohl seine Eltern sich zum Presbyterianismus bekannten, durchbrach seine geistige Suche von Jugend an die Schranken jeglicher Konfessionalität.

Die nächste Stufe seiner Mission begann 1946, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Bald nach der Befreiung Koreas von der japanischen Besetzung, fühlte Reverend Moon eine Berufung in Pyung Yang, der wichtigsten Stadt in Nordkorea, mit dem Predigen anzufangen. PyungYang war lange eine der Hochburgen des Christentums gewesen und oft das Jerusalem des Ostens genannt worden. Aber diese Stadt war auch die Hauptstadt für die kommunistische Regierung, die Nordkorea durch die russischen Soldaten aufgezwungen worden war. Somit versuchte Reverend Moon unter höchst widrigen Umständen, eine sichere Grundlage für Gottes neue Führung zu errichten. Auf der einen Seite erfuhr er den Widerstand von konventionellen Christen, die glaubten, Gottes Königreich habe mit der Verbesserung dieser Welt nichts zu tun. Auf der anderen Seite gab es die Kommunisten, die entschlossen waren, den Glauben an Gott auszurotten und eine totalitäre diesseitige Gesellschaft zu errichten.

Als Reverend Moon eine kleine Gefolgschaft um sich versammelt hatte, wurden seine Aktivitäten den kommunistischen Behörden angezeigt. Daraufhin wurde er eingesperrt und gefoltert. Nach schweren Schlägen wurde er bewußtlos in eine kalte Winternacht hinausgeworfen, wo sein Körper von seinen Schülern aufgefunden wurde. Nachdem er sich erholt hatte, predigte er von neuem.

Wieder wurde Reverend Moon gefangengenommen und zu Zwangsarbeit In einem kommunistischen Lager verurteilt, das bei Hungnam an der Ostküste gelegen war. Alle Insassen mußten als tägliche Arbeitsnorm 130 Kalksäcke zu je 40 Kilo Gewicht füllen und verladen, eine fast unmögliche Tagesquote. Überarbeitet und unterernährt, überlebten nur wenige Gefangene länger als drei Monate. Aber Reverend Moon war entschlossen, zu überleben. Mit Glauben an Gott und ungebrochener Willenskraft schaffte er es, diese unerträglichen Bedingungen etwa drei Jahre lang auszuhalten, bis die Gefangenen 1950 von den Soldaten der Vereinten Nationen befreit wurden.

Später, in einem Gespräch über seine Erfahrungen in der Gefangenschaft, erklärte Reverend Moon: „Ich betete niemals aus Schwäche oder weil ich mich beklagen wollte. Ich erbat nicht einmal Gottes Hilfe. Stattdessen versuchte ich stets, Ihn zu trösten, indem ich sagte. Er solle sich nicht um mich sorgen. Da Gott mein Leiden bereits kannte, wollte ich Ihn daran nicht erinnern und Ihm noch größeren Kummer verursachen. Ich versicherte Ihm einfach, ich würde niemals unterliegen.“

Reverend Moon kehrte nach Pyung Yang zurück, um seine Anhänger zu finden. Die wenigen noch Getreuen wurden instruiert, ihn in Pusan an der Südlichen Spitze der Koreanischen Halbinsel zu treffen. Reverend Moon und zwei Schüler starteten mit einem Fahrrad über die Bergstraßen, sechshundert Meilen weit in den Süden. Einer von den beiden hatte ein gebrochenes Bein und mußte getragen bzw. auf dem Fahrrad geschoben werden.

Nachdem sie Pusan erreicht hatten, war Reverend Moon einer von unzähliger obdachlosen Flüchtlingen. Im Sommer 1951 trafen sich seine Schüler mit ihm in einer kleinen Hütte, die aus Rationskisten der US-Armee und getrocknetem Schlamm gebaut war. Einer dieser frühen Anhänger berichtet: Als Reverend Moon in Pusan angekommen sei, habe er wie ein armer Fabrikarbeiter ausgesehen. „ausgemergelt und schmutzig“. Außer den Leiden durch kommunistische Unterdrückung, hatte er – wie Millionen seiner Landsleute – auch noch die unvorstellbaren Härten der Flüchtlingslager während des Koreakrieges zu ertragen.

1953 übersiedelte Reverend Moon nach Seoul, der Hauptstadt der Republik Korea. Im Jahr darauf gründete er offiziell die Heilig-Geist-Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums. In Seoul wurden Mitglieder der Vereinigungskirche von den etablierten Kirchen denunziert, vor allem als sich die erwähnte Gruppe von Professoren und Studenten der Ewha Womens University Reverend Moon anschloß. Als dieser Akt enorme Pressekritik wegen Verletzung der Religionsfreiheit hervorrief, begannen die Gegner falsche Gerüchte zu verbreiten, daß sich die neue Kirche sexueller Unzucht schuldig mache.

In einem Versuch, den Wahrheitsgehalt der wilden Behauptungen seitens seiner Feinde zu prüfen, ließ die Regierung Reverend Moon und vier männliche Anhänger inhaftieren. Nach drei Monaten erkannte das Gericht seine Unschuld an und ließ ihn frei. Seine Gegner hatten vor Gericht keinerlei stichhaltige Beweise vorbringen können. Um sie zu befriedigen, nahm die Regierung Reverend Moon gefangen, weil behauptet worden war, er würde sich der Militärdienstpflicht entziehen. Als dieser Fall einige Monate später vor Gericht kam, wurde der Angeklagte vollkommen entlastet.

Meine Eindrücke und Erlebnisse mit Rev. Moon, von denen ich hier einige mitteilen möchte, waren vom ersten Tag an unvergeßlich. Seit ich Reverend Yong Do Rhee kennengelernt hatte, hatte ich erseht, einen Menschen von so kraftvoller Spiritualität wie der seinen zu treffen. Als ich dem Rev. Moon zum ersten Mal die Hand schüttelte, trug er einen einfachen Overall. Doch schnell erkannte ich ihn als Mann tiefen Gebets. Nachdem er mir Guten Tag gewünscht hatte, sagte er als nächstes: „Sie haben sehr viel gebetet, nicht wahr? Ich bin jetzt nicht ganz sicher, ob Sie einen Vorfahren von ganz besonderer Qualität haben oder ob Sie selber so besonders sind, aber auf jeden Fall erscheinen Sie in einer solchen besonderen Qualität.“

In den frühen Tagen unserer Kirche kannten wir alle die folgende Erfahrung: Nachfolger Rev. Moons hegten vielfach Zweifel an seiner Person und seinem Werk, solange sie in ihrer Wohnung saßen. Sobald sie jedoch in die Kirche kamen und ihn ansahen, lösten alle ihre Zweifel sich wie Nebel in der Morgensonne. Ich glaube, dieser Mann stellt ein so strahlendes spirituelles Licht dar, daß in seiner Gegenwart Verwirrung zerfällt und Wahrheit aufstrahlt.

Reverend Moon blieb immer wieder bis zwei, drei Uhr nachts wach. Drängte man ihn zum Schlafengehen, so sagte er: „Ihr müßt doch daran denken, daß auch In dieser Stunde Menschen zu Gott beten.“ Bald erkannte ich, daß seine Fürsorge, sein Gebet, auch sein Lebensziel ganz enorm und überaus weitgefaßt waren, sie reichten weiter als die anderer christlicher Leiter.

Selbst angesichts einer verschwindend geringen Zahl an Nachfolgern wirkte Rev. Moon ungeheuer optimistisch. Er war felsenfest überzeugt davon, daß eine Riesenmenge sich uns anschließen und er bald in aller Welt bekannt sein werde. Auch in einer Sonntagspredigt vor weniger als hundert Zuhörern bediente er sich einer sehr lauten Stimme. Später wurde mir klar, daß er sich vorstellte, zu einer gewaltigen Menschenmenge zu sprechen.

Von unserer ersten Begegnung an stellte ich fest, daß Rev. Moon Gott ungeheuer ernst nahm. Fühlte er, etwas müsse für Gott getan werden, so zögerte er keine Minute. Er führte es durch und inspirierte uns. es um jeden Preis zu tun. Er sah sich ständig im Angesicht Gottes stehend, aber er spürte auch, wie Satan nur auf die kleinste Unachtsamkeit lauerte, um ihn zu überwältigen und seine Arbeit zunichte zu machen. Er sagte uns wiederholt: „Wir stecken mitten in der Schlacht zwischen Gott und Satan“. Er war ständig auf der Hut, zur geistigen Verteidigung bereit.

Diese Ernsthaftigkeit konnte ihn Jedoch nie über Gebühr belasten oder verhärten. Er liebte es, zu singen oder dem Gesang anderer zu lauschen. Er lachte gern und viel; Er sagte mir des öfteren, daß wir die gesamte Bandbreite menschlicher Gefühle erleben müssen, von Leid bis Freude, von Entrüstung bis Mitgefühl, von absoluter Standhaftigkeit bis hin zur Allinteressiertheit. Ich sollte vielleicht einige Beispiele hierfür nennen.

In einer frühen Phase lebte ein Kind im Vorschulalter in unserem Kirchenzentrum. Einziger Sohn einer Witwe, war dieser Junge halb taub und sprachbehindert. Sein Name war Samuel. Jeden Abend, sobald Rev. Moon von seinen Aktivitäten nach Hause kam, setzte er sich im Lotussitz auf den Fußboden und rief Samuel. Dann tanzte er mit dem Jungen und sang für ihn. Der Junge war dann überglücklich, wirbelte die Arme durch die Luft und tanzte umher. Die meiste Zeit war er still, saß ruhig und unbeachtet irgendwo. Doch Jetzt strahlte er vor Freude. Indem er sich ihm widmete, half Rev. Moon diesem behinderten kleinen Jungen, sich wichtig und glücklich zu fühlen.

Ein anderer Vorfall betrifft zwei ältliche Schwestern, die zu uns kamen, um Rev. Moon zu besuchen. Sie waren weit unten im Süden daheim und keiner von uns kannte sie. Als sie ihm einige Fragen gestellt und seine Antworten vernommen hatten, brach eine dieser Damen in ein Freudenlied aus; sie sang, von ihren Gefühlen überwältigt. Rev. Moon erwiderte prompt auf gleiche Weise. Es war eine richtige Oper, in der alles wesentliche gesungen wird. In einer anderen Hinsicht ähnelte die Situation der plötzlichen Begegnung zweier Liebender, sehr persönlich, voller Tiefe und Innigkeit: die spontane Berührung von Herz zu Herz. Diese beiden Damen hatten eine lange Fahrt unternommen, um Rev. Moon zu treffen, und ihre Begegnung wurde zum Augenblick völliger, unschuldiger Freude.

Etwas anderes hat Rev. Moon mir erzählt: als Student in Japan zog er einen Karren durch die mondäne Ginza-Geschäftsstraße in Tokyo. Das machte er, um in sich das Gefühl der Menschen zu erleben, die niederste Arbeiten verrichten oder unterprivilegiert leben. Durch solche Unternehmungen erweiterte er seinen persönlichen Erfahrungsschatz; er wollte mit Menschen in jeder Lebenssituation fühlen und dadurch Gottes Liebe in jeder Weise nachvollziehen.

Nie habe ich ihn sinnlose, schwache Witze reißen hören. Er scheint der Ansicht zu sein, jedes seiner Worte werde irgendwo festgehalten, entweder von Engeln oder von Satan. Er fühlt sich für Jedes seiner Worte verantwortlich. Heutzutage bringt er seine Zuhörer zum Lachen oder vermittelt ihnen ein Gefühl der Entspannung. In der Frühzeit jedoch herrschte immer eine ernste und sogar angespannte Atmosphäre. Immer sprach Rev. Moon mit großer Würde und Autorität. Wir Nachfolger fühlten uns nicht selten von seiner geistigen Größe überwältigt, fast schon erschlagen. Nichtsdestoweniger konnte Rev. Moon immer ein tiefes Vertrauen in uns wecken, er hatte unseren vollen Respekt. So wir ihm nahe waren, fühlten wir unsere Herzen befreit und unsere Willenskraft gestärkt. Selbst physisch spürten wir uns in seiner Gegenwart erfrischt und mit großer Energie versehen.

Ich konnte Rev. Moon in jeder Stimmung erleben: ich sah ihn weinen. Ich sah ihn vor Freude strahlen. Ich war dabei, als er Stunden der Einsamkeit durchmachte. Ich erlebte ihn auch in Momenten des Ärgers. Bei jeder dieser Gelegenheiten wirkte er jedoch als jemand auf mich, der sich von persönlichen Gefühlen nicht beeinflussen läßt. Er zeigte unter allen Umständen einen hochentwickelten Sinn für Dringlichkeit. So viel muß getan werden, und es muß schnell und wirksam geschehen. Es ist eine Frage von Leben und Tod. Daher läßt er sich durch nichts beirren.

Die Qualitäten, die mir bei Rev. Moon aufgefallen sind, fand ich bei keinem anderen christlichen Prediger in solcher Intensität oder ähnlicher Kombination. Beispielsweise stach Rev. Rhee dadurch hervor, daß er die Christen Koreas zu Reue und Umkehr aufrief. Folgerichtig war er ständig auf der Suche, wartete auf eine Botschaft Gottes. Seine Mission war es, die koreanische Kirche zu läutern und auf das Kommen Rev. Moons mit einer neuen Vorsehung vorzubereiten. Im Gegensatz dazu hat Rev. Moon gefunden, was er braucht. Er ist sich seiner Aufgabe und seines Zieles sicher. Seine messianische Berufung war von Anfang an klar. Daher leitete er uns mit völliger Zuversicht in allen Dingen.

In den ersten Jahren muß er um vieles besorgt gewesen sein, doch er strahlte immer Hoffnung und Optimismus aus. Er wartete voll Spannung darauf, daß sich ihm entschlossene und fähige Mitarbeiter anschlössen. In jenen Zelten sehnte er sich einfach nach Menschen.

Mit seiner ungeheuren Vision und übermenschlichen Aufgabe war er der einsamste Mensch auf Erden. In öffentlichen Gebeten brach er oftmals in Tränen aus. Damals, vor mehr als 30 Jahren, konnte ich vorhersehen, daß noch größte Schwierigkeiten auf Rev. Moon warteten. Doch wenn diese Herausforderungen eine nach der anderen auftraten, erlebte ich, wie er über sie triumphierte. Das hat sich in den drei Jahrzehnten wieder und wieder ereignet.

Es ist mir das größte Privileg, Zeitgenossin Rev. Moons zu sein. Augenzeugin seines sturmerfüllten Lebens. Womit habe ich dieses Glück verdient, in einer so entscheidenden Zeit der Vorsehung Gottes geboren worden und auf dem gleichen Erdboden gegangen zu sein wie eine derart große Persönlichkeit?

1960 heiratete Reverend Moon Hak Ja Han. Er und seine Frau übersiedelten 1972 in die USA, wo er Vortragsreisen durch das ganze Land unternahm, mit einer Kundgebung in New Yorks Madison-Square-Garden als erstem Höhepunkt. Sein Bekanntheitsgrad in Amerika wurde In Seoul zum Fundament für eine riesige internationale Veranstaltung für die Freiheit Koreas: Am 7. Juni 1975 sprach Reverend Moon dort zu mehr als einer Million Menschen. Es folgte ein Auftritt im Yankee Stadion, New York am l. Juni 1976. Die Washington-Monument-Kundgebung am 18. September 1976 setzte den angemessenen Schlußakkord zu Reverend Moons damaliger Kampagne öffentlicher Ansprachen in den vereinigten Staaten.

Seither hat sich die Vereinigungsbewegung in einer Weise entwickelt, die weltweiten Respekt gewonnen hat. Obgleich die Vereinigungskirche die grundlegende Organisation innerhalb der Vereinigungsbewegung bleibt, entstanden viele andere Institutionen, Projekte und Organisationen – als Ausdruck von Reverend Moons tiefinnerem Einsatz für Gott und die Menschheit. Einige sind von der Kirche weitgehend unabhängig. Andere sind eng angegliedert. Doch alle nehmen teil an Reverend Moons großer Hoffnung auf die letzte Erfüllung von Gottes Willen.

Rev. Moon legte einmal dar, wie er für drei Tage weinte, als er Gottes schmerzerfülltes han3 erkannt hatte. Dann gelobte er, die Wurzel dieses han zu beseitigen und Gottes Herz zu heilen. Von diesem Tag an. forderte er Satan heraus und unternahm seine heiße Schlacht gegen Gottes Feind. Wie könnte jemand glauben, dieser Weg sei leicht und eben oder gewöhnlich gewesen?

Insgesamt mehr als fünf Jahre seines kostbaren Lebens hat dieser Mann im Gefängnis verbracht. Er vergoß buchstäblich Blut, Schweiß und Tränen und hielt diesen Weg nahezu 70 Jahre durch, die an Verfolgung und Opfern überreich waren. Er hat Freunden und Gegnern gleichermaßen gedient. Trotz all dieser Widrigkeiten ist er voll Kraft, weil Gott ihn erwählt hat und bei ihm bleibt.

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